This Place Rules - Die Unruhen vor dem Sturm
Seit Jahren schon berichtet Andrew Callaghan in seinen YouTube-Kanälen im Gonzo-Stil von Demonstrationen, Aufständen, Verschwörungs-Events, aber auch Rapfestivals, Freak-Conventions und überhaupt extremen Charakteren am Rande der US-Gesellschaft. Mit Kameras und seinem Mikro immer mittendrin, dokumentierte er so auch fast nebenbei die Entstehung der Unruhen, die zur Erstürmung des US-Kapitols am 06. Januar 2021 führten. Nun zu sehen in der HBO-Dokumentation This Place Rules.
Originalbild: This Place Rules / © HBO (2022)
UPDATE: Informationen über aktuelle Anschuldigungen gegen Andrew Callaghan kurz nach Veröffentlichung von This Place Rules und unmittelbar im Anschluss an unsere Podcast-Aufnahme, lest ihr weiter unten auf dieser Seite.
Diese Dokumentation über zeitnahe historisch-politische Ereignisse und die Medien unserer Gegenwart besprechen wir thematisch, ohne im üblichen Maße auf Spoiler im eigentlichen Sinne zu achten.
In The Moths and the Flame begleitet Regisseur Kevin Contento in Pahokee, Florida, eine Gruppe junger Männer, die gerade Väter geworden sind oder kurz davorstehen. Zwischen Alltagsgesprächen, kleinen Neckereien und viel Herumhängen entsteht ein persönlicher, naher Blick auf das Leben zwischen Verantwortung, Perspektivlosigkeit und Kleinstadt-Trägheit. Ein experimenteller Hybrid aus Fiktion und dokumentarischem Filmemachen. Doch das Ergebnis wirkt über weite Strecken so, als hätte in vielen der ellenlangen Szenen jeweils ein guter Kurzfilm einfach vergessen, in den richtigen Momenten aufzuhören.
Afghanistan unter den Taliban ist ein wunderbares Urlaubsziel. Diesen Eindruck jedenfalls gewinnen wir, wenn wir nur den Videos von Reise-Influencern Glauben schenken, die sich zwecks Imagebereinigung vom Terrorregime haben vor den Karren spannen lassen. Das Gegenstück dazu sehen wir seit dem 14. August im Kino. Für die Dokumentation Hollywoodgate erlangte Regisseur Ibrahim Nash’at Befugnis, die Taliban kurz nach dem Abzug der US-Truppen aus Kabul ein Jahr lang hautnah mit seiner Kamera zu begleiten. Persönlich distanziert, aber mittendrin, nahm er auf, was immer er unter sehr eingeschränkten Bedingungen festhalten konnte, und brachte letztlich viel mehr Entlarvendes auf die Leinwand, als es seinen Bewachern vor Ort bewusst gewesen ist.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü-Podcast über eine interessante wie stark inszenierte Dokumentation, die Verfilmung einer Dokumentation über einen Tiefseetauchunfall und… einen herben Satire-Reinfall ohne jeden dokumentarischen Hintergrund. Hört Daniels Kritiken zu WO/MEN, Last Breath und Tanz der Titanen (aka Rumours).
15 Filme der Berlinale 2025 rezensieren wir hier in einem heiteren Rutsch mit dem Kaffeemann und Daniel! Aufgelistet bedeutet das Kritiken zu: Kaj ti je deklica, Dreams (jedoch nicht der Gewinnerfilm mit identischem englischen Titel…), Hot Milk, Mickey 17, Reflet dans un diamant mort, Welcome Home Baby, La Tour de Glace, If I Had Legs I’d Kick You, After This Death, Der Kuss des Grashüpfers, Pa-gwa, Magic Farm, Fremde Stadt, Bajo las banderas, el sol & Delicious. Auch Heldin haben wir übrigens beim Festival gesichtet, über den sprechen wir jedoch erst sehr bald, zum regulären deutschen Kinostart.
Brobert & Daniel schöpfen an den letzten gemeinsamen Tagen beim Göteborg Film Festival 2025 noch einmal aus den Vollen - mit fünf Filmen und dem Besuch einer Ehrenpreisverleihung für Julie Delpy. Deren Film Meet the Barbarians haben wir in ihrer Anwesenheit geguckt. Davor und danach sahen wir Julie Keeps Quiet, Under the Volcano, The Wailing sowie die fiktive Dokumentation About a Hero, bei der eine künstliche Intelligenz versucht hat, einen Werner-Herzog-Film nachzuahmen.
Nein, dies ist kein antisemitischer Film. Die auf der Berlinale prämierte Dokumentation No Other Land und deren sowohl israelische als auch palästinensische Regisseure sehen sich bis heute Anfeindungen ausgesetzt, von Leuten, die wahrscheinlich deren Film nicht einmal gesehen haben. Dieser zeigt hautnah die Perspektive von Dorfbewohnern im Westjordanland, die mit Gewalt und Entzug der Lebensgrundlagen aus ihrer Heimat vertrieben werden sollen.
Im Dokumentarfilm und Berlinale-Gewinner Dahomey begleitet Regisseurin Mati Diop nicht nur die Rückführung einiger geraubter Kunstobjekte von Frankreich nach Benin in Afrika, sondern zeigt auch, wie viel Potenzial für wichtigen Diskurs in dieser Rückkehr steckt. Und weshalb es mit einer kleinen Geste der Einsicht ehemaliger Kolonialmächte längst nicht getan ist, wenn Museen weiterhin ihrer Heimat entrissene Kunst ausstellen, ohne deren rechtmäßigen Erben Autorität und Selbstbestimmung über die eigenen Kulturgüter zu gewähren, die für sie Identität bedeuten.
Zwischen neuen und alten Ruinen, Megalith im Libanon und Steinkreis im Garten, Gerölllawine am Berg und modernem Rohbau aus Maschinen, eröffnet Architecton uns ein emotionales Verständnis und weit umfassendes Bewusstsein für leblosen Beton im Kontrast zu natürlichem Stein. Mit seinen spektakulären, eindrucksvoll gefilmten Bildern von Natur und Bauwerken ist die kunstvolle Dokumentation ein Kino-Highlight des Jahres, das die große Leinwand auch wirklich verdient hat. Nur wenige nachdenklich stimmende Worte von Architekt und Designer Michele De Lucchi fügen Victor Kossakovskys Meisterwerk gerade genug verbalen Kontext hinzu, um unseren Gefühlen und Gedanken beim Betrachten vieler abstrakter Momente einen inhaltlichen Anker zu bieten.
Mit Tunnelblick und bemerkenswert viel Material aus alten, also schon lange vorhandenen, Interviews hat Regisseur Anton Corbijn eine überraschend unkreativ montierte Chronologie der legendären Plattencover-Kunstschmiede Hypgnosis zusammengestellt. Die realen Personen und ihre Geschichte in Squaring the Circle bleiben interessant genug, die näher beleuchteten Cover-Artworks und deren Entstehung haben wir gerne gesehen - die Eigenleistung der Doku als solche bleibt darüber hinaus jedoch überschaubar.
Von frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zum Studium von Tierbewegungen bis zur Onlyfans-Ikone Belle Delphine. Von magisch anmutender Camera Obscura hin zum Smartphone in jeder Hosentasche. And the King Said, What a Fantastic Machine lässt eine temporeiche Zeitreise der Geschichte bewegter Bilder an uns vorbei rauschen und führt damit ganz besonders deutlich vor Augen, wie rasant wir uns als Menschheit von einer text- zur bildbasierten Gesellschaft entwickelt haben. Zu schnell, um damit überhaupt richtig umgehen zu können? Das ist die große, offen gestellte Frage dieser Dokumentation.
Seit wir Olfas Töchter (Four Daughters) Ende letzten Jahres vorab sichten konnten, hat es der Hybrid-Dokumentarfilm von Regisseurin Kaouther Ben Hania in gleich zwei Kategorien auf die Shortlist für die Oscars 2024 geschafft. Sehr gewundert hat uns das keinesfalls, denn der Film hat nicht nur eine facettenreiche wahre Geschichte zu erzählen, er macht dies auch noch mit faszinierend kreativer, sich selbst über mehrere Ebenen reflektierender Herangehensweise.
All the Beauty and the Bloodshed ist auf eine Weise eine biografische Dokumentation über die international anerkannte Künstlerin Nan Goldin, ihre Fotografien und ihr Leben. Es ist ein Film über das skrupellose Handeln des Pharmazie-Unternehmens der Familiendynastie Sackler und wie die größten Museen der Welt für Millionenspenden lange gerne ihre Augen vor deren Rolle in Amerikas bis heute viele Leben kostenden Opioid-Epidemie verschlossen gehalten haben. In allererster Linie ist dies aber ein Film über die Rolle von Kunst im Aktivismus und eine Erfolgsgeschichte aktivistischer Kunst.
Seit Jahren schon berichtet Andrew Callaghan in seinen YouTube-Kanälen im Gonzo-Stil von Demonstrationen, Aufständen, Verschwörungs-Events, aber auch Rapfestivals, Freak-Conventions und überhaupt extremen Charakteren am Rande der US-Gesellschaft. Mit Kameras und seinem Mikro immer mittendrin, dokumentierte er so auch fast nebenbei die Entstehung der Unruhen, die zur Erstürmung des US-Kapitols am 06. Januar 2021 führten. Nun zu sehen in der HBO-Dokumentation This Place Rules.
Es ist angerichtet... zu einem Solo-Filmmenü von Daniel, also quasi einem Dinner for One. Am erwärmenden Independentfilm Fragil ist er nicht zerbrochen, der grausam schlechte Thriller Shattered zersplittert dagegen komplett an sich selbst. Merkel kann sich sowohl förmlich als auch inhaltlich für nichts so recht entscheiden und The Menu fehlt trotz guter Rezeptur die letzte Würze. Zeiten des Umbruchs heißt eigentlich Armageddon Time - zeigt nichts neues, das aber gut. Strange World ist nicht halb so fantasievoll und spannend wie er eigentlich sein müsste, aber das dürfte Disney inzwischen schon selbst an den Kinokassen abgelesen haben. Call Jane wurde ungeplant von zeitaktuellen Ereignisse eingeholt - aber im positiven Sinne.
Es ist angerichtet... zu einem Filmmenü, in welchem uns Moonage Daydream näher an David Bowie heranführt, als das noch ihm selbst zu seinen Lebzeiten gelungen ist. Das Ticket ins Paradies lösen wir, nicht ganz so begeistert, bloß für Julia Roberts & George Clooney. Noch enger grenzen wir bei Chase mit Gerard Butler ein: Eine einzelne Szene war gut, der Rest gehört eigentlich niemals ins Kino. Als Nachtisch gibt’s Daniels Kommentar über den Audiokommentar von seinem aktuellen Lieblingsfilm des Jahres: Come on, Come on (auf Blu-ray).
Es ist angerichtet... zu einem Filmmenü, das mit der aktuellen Doku über Alexei Nawalny aus dem diesjährigen Sundance-Programm gleich Bezug zur aktuellen Weltpolitik herstellt. Mit Daniels Rezension zu Dog greifen wir bei den deutschen Kinostarts um ein paar Wochen vorweg und gruseln uns schlussendlich einstimmig mit Patrick über die just angelaufene Marvel-Fortsetzung Doctor Strange in the Multiverse of Madness.
Es ist angerichtet... zu einem Filmmenü beruhend auf “wahren” Begebenheiten. Wobei sich sowohl die Oliver-Stone-Doku JFK: Revisited als auch das Musik-Biopic Respect für Daniels Geschmack zu einseitig selektiv mit ihren historischen Grundlagen auseinandersetzen.
Es ist angerichtet… zu einer lückenhaften Karriereübersicht, einer viel zu ausführlichen Karriereübersicht und Amazons eigener Version der After-Filme. Im Filmmenü sprechen Patrick & Daniel diese Woche nämlich über Schumacher, The Sparks Brothers und The Voyeurs.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü mit überraschender Zutat: Würmer in Sand! Oder hättet ihr uns zugetraut, dass wir Denis Villeneuves Dune nicht als einzelnen Podcast rezensieren? Keine Sorge, kommt noch, wenn Patrick ihn auch gesehen hat. Daniel gibt hier vorerst alleine sein spoilerfreies Kurzfazit zur Sci-Fi-Romanadaption ab, zersägt den neuen Saw-Film Spiral, ist dann wieder mit Patrick gemeinsam schockiert von Jolt und durch die Kilmer-Doku Val interessiert zum unerwarteten Grübeln angeregt.
Es ist angerichtet… auf einem Boot im Amazonas! Wir legen in diesem Filmmenü mit The Rock und Emily Blunt in Disneys Jungle Cruise ab, lassen uns von Patrick The Green Knight ans Herz legen, spoilern euch bezüglich Old nur, dass Daniel ihn ganz schön blöd findet und empfehlen euch eine Chaos-Computer-Club-Dokumentation über Mitgründer Wau Holland.
2018 wurde der Journalist Jamal Khashoggi in Istanbul auf Geheiß des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman bestialisch ermordet - die ganze Welt wurde dank Audioaufnahmen Zeuge. Regisseur Bryan Fogel, der im selben Jahr einen Oscar für seine investigative Dokumentation Icarus gewann, möchte nun mit The Dissident dazu beitragen, dass die Welt das Verbrechen, dessen Hintergründe und Strippenzieher so schnell nicht wieder vergisst.
Eine mehrjährige Fahrt von Halle nach New York City, auf dem Landweg mit Ural-Motorrädern, hat um die 500 Stunden Rohmaterial für einen Reisefilm beschert, der den authentischen Gegenentwurf zu heutigen YouTube-VLOGs darstellt. 972 Breakdowns leidet jedoch unter überflüssigem Off-Kommentar und hätte im Schnitt genau so viel Mut zu riskanten Abkürzungen vertragen können, wie ihn seine fünf Abenteurer an den Tag gelegt haben.
Es ist angerichtet… zum politischen Mordkomplott aus Assassins, dem Charakterdrama The Racer während der Tour de France und dem Wellenrauschen des Coming-of-Age-Films Sunburned.
Die Fortsetzung des Kultfilms Borat hätte Amazon Prime uns lieber ersparen sollen. Hier werden weder erzkonservative Republikaner, noch rassistische Hinterwäldler oder gar Rudy Giuliani entlarvt oder vorgeführt. Das Filmteam um Sacha Baron Cohen blamiert, wenn überhaupt, dann nur sich selbst.
Mit dem tschechischen Dokumentarfilm Gefangen im Netz (V Síti), der hierzulande auf Deutsch synchronisiert im Kino erscheint, werden selbst internetaffine Eltern wachgerüttelt, wie einfach es für pädophile Triebtäter ist, sich in fremde Kinderzimmer zu klicken - und wie unverfroren die zumeist älteren Männer Minderjährige zu sexuellen Handlungen drängen.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü, dessen wichtigste Empfehlung wir bereits während Sundance 2020 ausführlicher rezensiert haben. The Social Dilemma bei Netflix ist eure Zeit und Aufmerksamkeit definitiv sehr viel mehr wert als The New Mutants, The Photograph und Seberg als Kinoneustarts alle drei zusammen.
Die Netflix-Dokuserie Don’t F**k With Cats setzt in der Nachbereitung eines brutalen wie kuriosen Kriminalfalls, der aus Internet-Tierfreunden Hobbyermittler werden ließ, an manchen Stellen auf zu viel eigenen Schock-Value. Auf der anderen Seite bleibt so wenigstens in diesem Katzenfilm das Ar**hloch nicht verborgen.
Katzenhorderin Saskia und Wuschelmähne Daniel würden optisch beide gut in Joe Exotics Zoo passen und sich nahtlos unter den hunderten Großwildkatzen dort einfügen. Wohl fühlen würden sie sich dort jedoch selbst als Menschen nicht - trotzdem wird bezüglich der Bewertung von Tiger King als Doku hier nicht nur harmonisch geschnurrt.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü, das sich vom Zweiten Weltkrieg über Leonard Cohen bis zu Untoten im Weißen Haus und Folter bei den US-Geheimdiensten erstreckt. Am besten gefällt uns diese Woche dann aber doch Corinna Harfouch im deutschen Überraschungsfilm Lara.
Es ist angerichtet… zum Filmmenü mit wiederaufgewärmter Spinne, Spionin in Rente, dämonischer Puppe und Raumfahrt hautnah.
Links & Videos zum Podcast
Unsere Tops & Flops des Filmjahrs 2022 mit This Place Rules in Patricks Top 5
Die Letzte Filmkritik - Borat: Anschluss Moviefilm
Channel 5 bei YouTube

































Wie All Gas No Breaks endete:
Anschuldigungen gegen Andrew Callaghan
Kurz nach Veröffentlichung von This Place Rules und unmittelbar nach unserer Podcast-Aufnahme, haben sich mehrere Frauen öffentlich mit Anschuldigungen sexueller Nötigung gegen Andrew Callaghan zu Wort gemeldet. Ein Statement von Callaghan zu den heftigen Vorwürfen steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus und wir können momentan nicht ohne Zweifel beurteilen, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Sollte es Updates zur Situation geben, ergänzen wir dies hier unten stehend. An der Qualität von This Place Rules oder unserer Rezeption des Films an sich ändern diese Entwicklungen ausdrücklich nichts. Wir finden es dennoch richtig, den Stand der Dinge um die aufgekommenen Vorwürfe hier zu erwähnen. Gerade weil wir im Podcast unseren bislang sehr positiven Eindruck von Andrew Callaghan als Person und dessen bemerkenswerte journalistische Integrität lobend herausheben und damit zum guten Image und eurer Wahrnehmung der Vertrauenswürdigkeit seiner Person mit beitragen. Sollte sich herausstellen, dass er diesem hohen Ansehen abseits der Kamera wiederholt nicht gerecht wurde, müssen wir dies selbstverständlich dann auch konsequent genau so erwähnen. Ganz gleich ob wir Callaghans journalistische Arbeit dadurch selbstverständlich nicht schlechter bewerten und This Place Rules immer noch empfehlen würden.
UPDATE: Mittlerweile hat sich Andrew Callaghan persönlich in einem Video-Statement zu den Vorwürfen geäußert und sie zum Teil eingeräumt.
Rolling Stone über Vorwürfe gegen Andrew Callaghan
Rolling Stone berichtet über weitere Anschuldigungen




Während sich fast alle anderen Kritiker dieser Welt in ihrem euphorisch positiven Gemeinschaftsurteil über Christopher Nolans Homer-Adaption Die Odyssee freudentränend in den Armen liegen, herrscht ausgerechnet beim sonst so häufig einigen Duo Daniel Pook und Patrick aus Hürth Unstimmigkeit über eben selben Film.
Vom Ehepaar Mona Fastvold und Brady Corbet, gedreht auf 35mm Kodak-Analogfilm, eine historische Geschichte. Was könnte da schief gehen? Gar nicht so viel. The Testament of Ann Lee ist nach Der Brutalist der nächste höchst sehens- und auch hörenswerte Kinofilm des Duos. Und mit Sicherheit einer der Filme, den viele von euch trotzdem verpassen würden, hätten Patrick & Daniel euch nicht lobend darauf hingewiesen.
Können Menschen überhaupt noch global zusammenarbeiten, um ihre gemeinsame Existenz zu retten? In Der Astronaut: Project Hail Mary müssen sie das, angesichts der drohenden Auslöschung durch eine Anomalie aus dem All. Aneinander zu verstehen, zu helfen und die Hände zu reichen, wird aber auch weit darüber hinaus im Laufe der großen Weltraummission des Films von zentraler Bedeutung sein. Daniel vergleicht Roman, Hörbuch und Film miteinander in unserem Podcast mit separatem Spoiler-Teil.
Muriel d'Ansembourgs Debütfilm Truly Naked hat uns auf der Berlinale 2026 in jeder Hinsicht begeistert. Vielschichtig und authentisch behandelt das Werk sensible Themen - ein Heranwachsender arbeitet als Assistent und Kameramann für seinen Vater, der Amateurpornos produziert. Gleichzeitig entdeckt der Junge seine erste wahre Liebe, was in ihm zunehmend Konflikte auslöst. Ein exzellenter Film mit perfekter Balance aus realem Look und verdichteter, effektiv aufgebauter Handlung.
Wie ihr bei Die Letzte Filmkritik sehr bald noch hören werdet, hat Daniel bereits bei Sundance 2026 zwei Coming-of-Age-Filme gesehen, in denen Schüler*innen tragische Ereignisse auf Schulbühnen künstlerisch verarbeiten. Mouse kam jetzt noch auf der Berlinale dazu und hat, ganz wie Run Amok und The Musical, trotzdem genug eigene Qualitäten zu bieten, um als ein Festival-Highlight hervorzustechen.
Eine Frau gibt sich im 17. Jahrhundert als Mann aus und Sandra Hüller spielt auch genau das mit vielen Nuancen, anstatt einfach nur plumpe Männerklischees zu Mimen. Nicht nur wir sind voll des Lobes für ihres Performance, der Berlinale 2026 war diese anspruchsvolle Darbietung einen Silbernen Bären für die beste Schauspielleistung des Festivals wert. Grund zu doppelter Freude: Der Film Rose ist auch sonst sehr gut, finden Daniel und der Kaffeemann!
Der Kaffeemann und Daniel hätten den Goldenen Bären der Berlinale 2026 ja lieber an Everybody Digs Bill Evans verliehen als an Gelbe Briefe, immerhin hat die Jury das kunstvolle Musik-Biopic rund um den legendären Jazz-Virtuosen aber mit dem Silbernen Bären für die beste Regie prämiert. Spätestens sobald ein Kinostart feststeht, solltet ihr euch diesen wunderbaren und wunderschönen Film von Grant Gee unbedingt fest vormerken.
Wir haben Regisseur Paul Negoescu zum ersten Mal 2009 im Rahmen unserer Interviewserie Short Talks getroffen. In diesem Zeitraum hatte er es drei Mal hintereinander in den Wettbewerb der Berlinale-Kurzfilme geschafft. Auch uns konnte er stets mit seinen authentisch inszenierten, kurzweilig unterhaltsamen, wie aus dem Leben rumänischer Familien gegriffenen Shorts sehr überzeugen. Obwohl thematisch mehr ein Langfilm für Kinder, hat uns sein diesjähriger Berlinale-Generations-Beitrag 2026, Atlas des Universums (Atlasul universului) ähnlich überzeugt - mitunter sogar charmant an ein legendäres Werk Abbas Kiarostamis’ erinnert.
Inspiriert von wahren Begebenheiten zeigt The Red Hangar uns den Militärputsch in Chile 1973 nahe an einer Person im Fokus, die während des Regierungssturzes mit sich selbst und ihrer Rolle darin hadert. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film von Juan Pablo Sallato über Captain Jorge Silva zählt für uns zu den besten Beiträgen der Berlinale 2026.
Josephine ist die große Gewinnerin des Sundance Film Festivals 2026 - und Daniel Pook war für "Die Letzte Filmkritik" im Eccles Theatre bei der Weltpremiere des Films live dabei. Das Drama von Beth de Araújo mit Channing Tatum, Mason Reeves und Gemma Chan hat sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis der Hauptkategorie U.S. Dramatic für sich entscheiden können. Verdient? Das können wir euch jetzt besonders früh bereits beantworten.
Daniel Pook und der Kaffeemann sind in Bälde schon wieder auf der Berlinale 2026 unterwegs - kurz vorher ist noch ihr Lieblingsfilm der Internationalen Filmfestspiele Berlin vom Vorjahr im regulären Kinoprogramm erschienen. Little Trouble Girls (Kaj ti je deklica) lässt uns zwischen Tagträumen und Wirklichkeit am Erwachsenwerden einer Jugendlichen auf Chorfahrt ihrer katholischen Schule teilhaben. Gefühlvoll natürlich gespielt und von Regisseurin Urška Djukić kunstvoll inszeniert, ist dieser Film ein fesselndes Werk voll erster Leidenschaft, die mal verwirrend, enttäuschend, aber auch traumhaft und erweckend sein kann.
Nicht One Battle After Another, nicht Bugonia,… schon gar nicht Avatar 3 ist Daniel Pooks Lieblingsfilm des Jahres 2025 geworden. Es ist, auch für ihn überraschend, eine deutsche Produktion. Nun mag In die Sonne Schauen längst kein Geheimtipp mehr sein, zumal der in Cannes mit dem Jury-Preis geehrte Film als unser Oscar-Beitrag bei den kommenden Academy Awards antritt. Dennoch möchte jetzt auch Die Letzte Filmkritik verspätet dazu beitragen, dass selbst die letzten Skeptiker sich dieses Meisterwerk von Mascha Schilinski endlich ansehen.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü mit ausnahmsweise mal durchweg nur guten bis sehr guten Filmen vom Jahresende 2025, über die Daniel nun Anfang 2026 noch mal kurz aneinandergereiht etwas zu sagen hat: Die My Love, Eddington, The Change (aka Anniversary) und Sentimental Value.
Bugonia von Yorgos Lanthimos war einer der besten Filme im Jahr 2025. Grund genug, sich der Adaption einer südkoreanischen Vorlage auch jetzt noch ausführlich anzunehmen. Daniel analysiert das US-Remake in diesem Filmkritik-Podcast erst ohne große Spoiler, liefert zum Schluss - nach Vorwarnung - aber außerdem seine Interpretation des Endes und zieht Bezüge zu früheren Werken des griechischen Regisseurs. All das auf Basis seines vormals zum Bugonia-Kinostart erschienenen Artikels bei Golem.
Utopien als Ziel, Purismus als Selbstanspruch, Glorifizierung von Idolen - und ein Kampf nach dem anderen als Schwur fürs Leben. Ob beim Antagonisten oder jenen, die er im Verlauf des Films jagt: Die verschiedenen Fraktionen und Personen in One Battle After Another eint, dass sie auf verschiedenste Art und Weise mit Desillusionen konfrontiert werden oder diese sogar gleich selbst verkörpern. Daniel erklärt das in diesem OverExposition-Podcast (mit wenigen Spoilern) genauer.
Er bestahl mehr als 40 McDonald’s-Filialen, nistete sich anschließend lange unentdeckt in einem Spielzeugladen ein. Nur die Kurzbeschreibung der realen Begebenheiten um Räuber Jeffrey Manchester, dessen Gefängnisausbruch und Doppelleben auf der Flucht, ist purer Stoff für eine Hollywoodverfilmung. Eine typische dieser Art ist der charmante, berührende, zugleich systemkritische Roofman: Der Hochstapler mit Channing Tatum, Kirsten Dunst und Peter Dinklage aber zum Glück nun nicht geworden.
Es war der beklemmendste „Was wäre wenn“-Film des Jahres 2025. Und A House of Dynamite ist deswegen so beängstigend, weil er das Szenario eines plötzlichen Nuklearangriffs auf die Vereinigten Staaten, aus Sicht der dortigen Geheimdienst-, Militär- und Politikzentralen, glaubhaft versucht durchzuspielen - letztlich jedoch keine endgültige - oder gar beruhigende - Antwort auf eben jenes “Was wäre wenn” liefern kann.
Der Look, The Rock, das Setting, eigentlich alles an The Smashing Machine ist einfach sehr gut. Auf der anderen Seite hat Regisseur Benny Safdie hier jedoch nur die aus der gleichnamigen Dokumentation und Archivmaterial übermittelte MMA-Welt nachgebildet, seine Titelfigur Mark Kerr darin lebensecht nachgestellt. Das Ergebnis erinnert an ein typisches Modellauto in der Vitrine von Großeltern. Sieht sehr liebevoll gemacht aus, aber gespielt wird damit nicht.
Sorda: Der Klang der Welt hätte in Daniels Augen und Ohren eigentlich jene Aufmerksamkeit verdient, welche 2021 dem Sundance-Darling CODA zuteil wurde. Hier sehen wir nämlich nicht nur einen üblichen Festival-Film, der auch mit gehörlosen Menschen besetzt wurde, sich aber eigentlich mehr um eine normal hörende Person im Mittelpunkt dreht. Das sehr authentisch inszenierte Werk der spanischen Regisseurin Eva Libertad lässt uns das alltägliche Empfinden einer tauben Frau umringt von nicht-tauben Menschen eindringlich, lebensnah, aber nicht einseitig verklärt miterleben.
Christian Ditter schafft mit seiner Neuverfilmung des Romans Momo, woran andere meistens scheitern: Eine märchenhafte Geschichte modern neu interpretieren, sogar mit Sci-Fi-Elementen und Gegenwartstechnik angereichert, dennoch Geist und Kernaussagen von Michael Endes Originalvorlage dabei treu zu bleiben. Kein Muss für Erwachsene, für Puristen des Originals eventuell sogar ungenießbar - aber in Daniels Augen ein spannender Kinderfilm mit wichtigen Aussagen, den seine junge Zielgruppe unbedingt gesehen haben sollte.
Endlich mal wieder eine Stephen-King-Verfilmung, die Daniel sehr gut gefällt! Zwar hat King The Long Walk seinerzeit gar nicht unter seinem gewohnten Namen als Horrorautor veröffentlicht - dass die Story von ihm stammt, ist inzwischen aber hinlänglich bekannt und King selbst hat es eigentlich auch längst nicht verheimlicht. Warum diese Verfilmung ganz großartig ist, erzählt Daniel euch nun in unserem Podcast, samt seiner ausführlichen Interpretation des Films - aber wohlgemerkt ohne großen Vergleich zum Buch, mit dem wir nicht die große Vorgeschichte verbinden wie andere Rezensenten, die im Gegensatz zu uns wohl mit der Originalgeschichte aufgewachsen sind.
Ein alternder Filmstar verliert zunehmend das Bewusstsein dafür, wo seine ikonische Rolle als klassischer Geheimagent aufhört und sein tatsächliches Leben im Ruhestand anfängt. Nur ist Reflet dans un Diamant Mort (Originaltitel) keine der üblichen Komödien mit so einem Thema, sondern ein audiovisuell stimulierender, manchmal verwirrend zusammenfließender Arthouse-Trip, bei dem auch Zuschauer schnell ihren Verstand verlieren können. Im ganz positiven Sinne!
Filme über einsame Astronauten hatten wir schon einige. Den Weltuntergang vom All aus ebenfalls bereits im Kino gesehen. Der ukrainische Science-Fiction-Geheimtipp U are the Universe schafft es, sich ein solches Konzept jetzt noch mal mit eigenem Anstrich und wunderbarer Inszenierung als unterhaltsames Endzeitszenario mit Herz zueigen zu machen. Schon die Entstehung des ambitioniert gefertigten Indie-Films, durch die Covid-19-Pandemie hindurch und noch weit während Russlands Überfallkrieg gegen die Ukraine andauerte, ist bewundernswert. Einzig mit seinem etwas zu kitschig geratenen Schlussmoment hat uns Regisseur Pavlo Ostrikov nicht so sehr überzeugt.
Hank Thompson (Austin Butler) passt auf die Katze seines Nachbarn auf. Im Nu befindet er sich ahnungslos in Lebensgefahr und sein Barkeeper-Alltag mit Freundin Yvonne (Zoë Kravitz) im New York der 90er fällt in sich zusammen. Unter Regie von Darren Aronofsky entfaltet sich die Romanadaption Caught Stealing im weiteren Verlauf als brutales, aber auch brutal unterhaltsames, wunderschön gefilmtes Drama einer tragischen Heldenreise als ungewöhnliche Selbstfindung zwischen exzentrischen Gangstern.
Vieles in Memoiren einer Schnecke von Adam Elliot erinnert an Tim Burtons Filme,… als er noch gut war. Ein gänzlich handgemachter Animationsfilm für Erwachsene, mit liebevoll detaillierten Skurrilitäten und metaphorischer Geschichte über Verlust, Einsamkeit, Hoarding, den ein oder anderen Fetisch und einiges an Traumata. All das sollte für euch Grund genug sein, eure persönlichen Schneckenhäuser für eineinhalb Stunden gegen den Kinosaal auszutauschen. Lasst nur unbedingt eure Kinder zuhause!
Ein schwerreicher Mann lebt einsam auf einer wunderschönen Insel und investiert ordentlich Zaster, um sein Lieblings-Gesangs-Duo zum Reunion-Konzert, exklusiv für ihn selbst, an sein Ufer kommen zu lassen. Wer hätte gedacht, dass sich hinter dieser Prämisse eine hoch unterhaltsame, sympathische und wunderschön menschliche Story verbirgt? The Ballad of Wallis Island schafft all das zugleich, in sehenswerter Naturlandschaft.
Beinahe 2 1/2 Stunden Podcast über 28 Tage, Wochen und Jahre bieten euch Patrick & Daniel in ihrer Retrospektive plus aktuellen Filmkritik über 28 Years Later und dessen beiden Vorgängerfilme.
Jetzt hat es tatsächlich doch auch mal ein Hundefilm geschafft, bei Die Letzte Filmkritik zu überzeugen. Loyal Friend (Originaltitel: The Friend) ist eine Romanadaption mit Naomi Watts, Bill Murray und einer riesigen dänischen Dogge in New York City. Das Drama ist schön geschrieben, schön gefilmt, schön gespielt und muss deswegen nicht viel spektakuläres anstellen, um Loorie und Daniel in diesem Podcast lobende Worte abzuringen.
Drachenzähmen Leicht Gemacht hat zwei neue (erwachsene) Fans hinzu gewonnen, die sich bisher tatsächlich nie wirklich für die Dreamworks-Animationsfilme haben erwärmen können. Das neue Real-Remake von Teil 1 hat Loorie und Daniel dann aber doch interessiert und als spannend inszenierter Familienspaß sogar richtig abgeholt. Überrascht waren wir außerdem hinterher, zu sehen, wie nahe sich die Neuverfilmung einfach an seine ohnehin schon gute 3D-Vorlage gehalten hat. Walt Disney sollte sich davon ruhig mal eine Scheibe abschneiden…
Diese moderne Neuinterpretation (nur!) für Erwachsene erinnert uns endlich auch mal wieder daran, dass Märchen wie Aschenputtel nur bei Walt Disney und in unserer naiven Vorstellungskraft “schön” beziehungsweise magisch “märchenhaft” zu verstehen sind. The Ugly Stepsister verändert als Body-Horrorfilm weniger als man meint, um zu einem brutal anderen, desillusionierend feministischen Ergebnis zu kommen.
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Dieser Podcast wurde dank modernster Funktechnik von Patrick aus Hürth & Daniel Pook in Hürth aufgenommen.


