Berlinale '26 - The Moths & the Flame
In The Moths and the Flame begleitet Regisseur Kevin Contento in Pahokee, Florida, eine Gruppe junger Männer, die gerade Väter geworden sind oder kurz davorstehen. Zwischen Alltagsgesprächen, kleinen Neckereien und viel Herumhängen entsteht ein persönlicher, naher Blick auf das Leben zwischen Verantwortung, Perspektivlosigkeit und Kleinstadt-Trägheit. Ein experimenteller Hybrid aus Fiktion und dokumentarischem Filmemachen. Doch das Ergebnis wirkt über weite Strecken so, als hätte in vielen der ellenlangen Szenen jeweils ein guter Kurzfilm einfach vergessen, in den richtigen Momenten aufzuhören.
Wir erzählen in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.
Links & Videos zur Filmkritik
The Moths and the Flame auf der offiziellen Berlinale-Website
Der Filmschauplatz Pahokee, Florida in der Wikipedia
Kevin Contentos vorheriger Kurzfilm:
Unser Interview mit Kevin von der 73. Berlinale:
Unsere Filmkritik zu „The Moths & the Flame“ als Text zusammengefasst:
The Moths and the Flame begleitet in Pahokee, Florida, eine Handvoll junger Männer, die gerade Väter geworden sind oder kurz davor stehen. Regisseur Kevin Contento interessiert sich weniger für eine vorab geschriebene Story als für das, was zwischen seinen Protagonisten passiert: Alltagsgespräche, Neckereien, Erinnerungen, das vorsichtige Abtasten dessen, was Verantwortung künftig bedeutet, während um sie herum Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit und eine sehr abgelegene, fast leere Kleinstadt-Realität mitschwingen.
Diese Grundanlage hat viel Ehrliches, und die Figuren wirken ungekünstelt echt. Ihr oft trockener, spontaner Humor rettet manchmal über ansonsten langweilige Passage hinweg. Contento hat vieles im Alltag der realen Personen gefilmt, die fiktive Charaktere mimen, aber doch lebensechte Versionen ihrer selbst abbilden. Er kennt seine Hauptfiguren persönlich gut, hat teils schon für ähnliche Filmprojekte auf sie zurückgegriffen. The Moths and the Flame hat zwar eine klare Intention, Contento hat beim Dreh gelegentlich eingegriffen oder Situationen mehrmals filmen lassen, aber trotzdem lehnt sein experimenteller Langfilm deutlich stärker Richtung Dokumentation als dass es ein überwiegend fiktiver Film wäre.
Für uns das große Problem daran: The Moths and the Flame bleibt über weite Strecken gefühlt ewig stehen. Viele lange, statische Einstellungen beobachten minutenlang Gespräche, ohne dass sich daraus neue Ebenen ergeben - als würde ein guter Kurzfilm-Ansatz einfach weiterlaufen, obwohl er auserzählt ist. Das versuchte Experiment - irgendwo zwischen Doku, Fiktion und Essay auf Gedichtbasis - wird kaum spürbar, weil der Film unsere Aufmerksamkeit wiederholt ohne erkennbaren Grund überstrapaziert.
Am stärksten ist ausgerechnet die Schlussszene, in der zwei der Männer an einem Imbiss sitzen und in einem längeren Dialog plötzlich mehr Charakter, Milieu und Lebensgefühl sichtbar wird als in vielen Minuten davor - da leuchtet auf, was möglich gewesen wäre und was Regisseur Kevin Contento eigentlich meisterhaft beherrscht, in vergangenen Werken stringenter hinbekommen hat. Das allein als Kurzfilm hätte völlig gereicht. Unterm Strich bleibt Sympathie für die Menschen und Respekt für die Absicht, aber als Kinoerlebnis wirkt The Moths and the Flame zu bequem, zu wenig geformt und ganz besonders zu unkritisch seiner eigenen gewählten Form gegenüber: ein persönlicher Blick, der sich nicht ausreichend in etwas übersetzt, das auch für Außenstehende über 90 Minuten gebannt mitzuverfolgen bleibt.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.


