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Herz aus Eis - Im Endeffekt schade

Hervorragend ausgestattet, stark besetzt, mit wunderbarer Musik und oft wirklich schön anzusehen… doch irgendwie leider auch ganz schön langweilig. Auf der Berlinale 2025 haben wir Herz aus Eis noch als La tour de glace bzw. The Ice Tower kennengelernt, mit deutschem Titel wird der unbefriedigend zähe Märchenfilmset-Albtraum jedoch natürlich nicht plötzlich spannender.

Sorda: Der Klang der Welt - Solltet ihr nicht nur gesehen haben

Sorda: Der Klang der Welt hätte in Daniels Augen und Ohren eigentlich jene Aufmerksamkeit verdient, welche 2021 dem Sundance-Darling CODA zuteil wurde. Hier sehen wir nämlich nicht nur einen üblichen Festival-Film, der auch mit gehörlosen Menschen besetzt wurde, sich aber eigentlich mehr um eine normal hörende Person im Mittelpunkt dreht. Das sehr authentisch inszenierte Werk der spanischen Regisseurin Eva Libertad lässt uns das alltägliche Empfinden einer tauben Frau umringt von nicht-tauben Menschen eindringlich, lebensnah, aber nicht einseitig verklärt miterleben.

Reflection in a Dead Diamond - Wie ein Giallo-Bond auf Arthouse-Drogentrip

Ein alternder Filmstar verliert zunehmend das Bewusstsein dafür, wo seine ikonische Rolle als klassischer Geheimagent aufhört und sein tatsächliches Leben im Ruhestand anfängt. Nur ist Reflet dans un Diamant Mort (Originaltitel) keine der üblichen Komödien mit so einem Thema, sondern ein audiovisuell stimulierender, manchmal verwirrend zusammenfließender Arthouse-Trip, bei dem auch Zuschauer schnell ihren Verstand verlieren können. Im ganz positiven Sinne!

The Old Woman with the Knife - Alter schützt vor Durchschnitt nicht

Zwei Stunden lang versucht Kyu-dong Min mit The Old Woman with the Knife aus Südkorea eine verworrene Rachegeschichte à la Park Chan-wook zu erzählen, aber gleichzeitig auch Action wie aus John Wick oder Ballerina zu bieten. Beides gelingt… so eher durchschnittlich. Auf der Berlinale 2025 haben Daniel und der Kaffeemann sich doch sehr gewundert, warum ausgerechnet dieser Film es ins Programm geschafft hat.

Der Kuss des Grashüpfers - Ein Sprung ins Bodenlose

Hier wollte deutscher Film mal ganz besonders tiefgründig und auch noch besonders sein. Vielleicht gar Kunst. Halbgar bis bodenlos langweilig ist das Ergebnis Der Kuss des Grashüpfers, über das sich Daniel und der Kaffeemann auf der Berlinale 2025 immerhin köstlich amüsiert haben. Aber erst NACH der Vorführung, nicht währenddessen, wohlgemerkt!

The Ugly Stepsister - Brutale Wahrheiten eines Märchens

Diese moderne Neuinterpretation (nur!) für Erwachsene erinnert uns endlich auch mal wieder daran, dass Märchen wie Aschenputtel nur bei Walt Disney und in unserer naiven Vorstellungskraft “schön” beziehungsweise magisch “märchenhaft” zu verstehen sind. The Ugly Stepsister verändert als Body-Horrorfilm weniger als man meint, um zu einem brutal anderen, desillusionierend feministischen Ergebnis zu kommen.

Delicious - Magerkost

Netflix kopiert gerne Konzepte anderer Filme oder greift populäre Themen auf, liefert seine selbstproduzierte „Netflix-Version“ davon für den eigenen Katalog. Selten überzeugend - und das deutsche Werk Delicious ist zudem auch noch einer der schlechtesten Filme, die wir auf der Berlinale 2025 gesehen haben.

Berlinale 2025 - 15 Kritiken mit Mickey 17, If I Had Legs I'd Kick You & Magic Farm

15 Filme der Berlinale 2025 rezensieren wir hier in einem heiteren Rutsch mit dem Kaffeemann und Daniel! Aufgelistet bedeutet das Kritiken zu: Kaj ti je deklica, Dreams (jedoch nicht der Gewinnerfilm mit identischem englischen Titel…), Hot Milk, Mickey 17, Reflet dans un diamant mort, Welcome Home Baby, La Tour de Glace, If I Had Legs I’d Kick You, After This Death, Der Kuss des Grashüpfers, Pa-gwa, Magic Farm, Fremde Stadt, Bajo las banderas, el sol & Delicious. Auch Heldin haben wir übrigens beim Festival gesichtet, über den sprechen wir jedoch erst sehr bald, zum regulären deutschen Kinostart.

La Cocina: Der Geschmack des Lebens - Verborgene Welt einer Großküche

La Cocina: Der Geschmack des Lebens von Regisseur Alonso Ruizpalacios steckt voller brillanter Szenen mit starkem Schauspiel, treffenden Aussagen und fantastischer Bildsprache. Wären diese doch bloß auf 90 Minuten kondensiert zusammengestellt worden, anstatt die Ereignisse einer Großküche unter einem Restaurant am New Yorker Times Square über fast 140 Minuten lang immer theatralischer eskalieren zu lassen. So ist es immer noch ein guter Film - aber eben auch einer mit frustrierend viel mehr Potenzial, um das er sich im eigenen Rausch beraubt hat.

Shikun - Herdentrieb im Wohnkomplex

Dokumentarische Ästhetik und theaterhafte Inszenierung sollen das Bühnenstück Die Nashörner von Eugène Ionesco lose adaptiert, mehr als Inspiration umgesetzt, auf die Kinoleinwand bringen. Regisseur Amos Gitai gelingt das mit Shikun nur bedingt und insgesamt zu arm an inhaltlicher Vielschichtigkeit, als dass dessen filmisch reduzierte Darstellung nicht schnell bloß in gut gemeinte, stark gespielte Banalität abdriftet.

OverExposition: A Different Man - Sein Gesicht verloren (Kritik & Interpretation)

Für Daniel ist A Different Man der bessere Joker, der bessere The Substance und erinnert teilweise auch an Charlie Kaufmans Synecdoche, New York. Die düstere Komödie von Regisseur und Autor Aaron Schimberg verkommt außerdem nicht zu einer reinen Mitleidsnummer, wie etwa Aronofskys The Whale. Dazu trägt besonders Schauspieler Adam Pearson bei, der aufgrund von Neurofibromatose im wahren Leben jene Maske als echtes Gesicht trägt, welche Protagonist Edward im Film erst in Schubladen vergräbt, dann aber so dringend wieder braucht. Eine Letzte Filmkritik mit separatem Spoiler-Teil und Interpretation.

The Outrun - Schöner Entzug

Nora Fingscheidt inszeniert nach Systemsprenger erneut authentisch und hervorragend besetzt die Geschichte eines Härtefalls, der oft die Kontrolle über sich selbst verliert und auch anderen dabei schadet. Dieses Mal geht es um die Alkoholsucht einer jungen Erwachsenen, brillant gespielt von Saoirse Ronan. The Outrun ist mit seiner nicht-linearen Erzählweise jedoch nicht ganz so spannend und effektiv. Was nach dem Kinobesuch bleibt, sind am ehesten die sehr schönen Bilder vom Entzug auf schottischen Inseln.

Des Teufels Bad - Wahrer Horror in echten Wäldern

Des Teufels Bad ist praktisch wie The Witch aus Österreich. Und sogar fast genau so gut! Wobei es hier nicht um okkultes geht, sondern in erster Linie um vielfach real vorgekommene Fälle sehr gläubiger Frauen im 18. Jahrhundert, die Morde an Kindern begangen haben, in der Hoffnung dafür hingerichtet zu werden. Dies sahen sie als Loophole an, um vor dem Tode noch eine Beichte ablegen und so in den Himmel kommen zu können. Wohingegen der Freitod garantierte Hölle bedeutet hätte. Im Film erleben wir sehr authentisch wirkend, wie sich schwere Depressionen im Umfeld kleiner Dörfer zu dieser Zeit vielfach abgespielt haben müssten. Und all das ist - auch ohne übersinnliche Momente - hier wahrer Horror in echten Wäldern.

Das Imperium - Spaceballs auf öde geblödelt

Es ist nicht alles Gold (oder Silber), was auf der Berlinale einen Bären gewinnt. Mit dem Jury-Preis hatte uns das Festival Anfang des Jahres auf Das Imperium (Original: L’Empire) neugierig gemacht. Ein noch abgedrehteres Spaceballs aus Frankreich, das Außerirdische in einem kleinen Dorf mit Lichtschwertern und nackten Körpern einen interstellaren Krieg austragen lässt? Gerne doch. Leider wandert die Sci-Fi-Parodie von Bruno Dumont allzu schnell in die alberne Blödel-Ecke und ein paar wenige gute Ideen haben wir woanders längst besser gesehen.

No Other Land - Ihre Hoffnung stirbt erst, wenn wir alle wegsehen

Nein, dies ist kein antisemitischer Film. Die auf der Berlinale prämierte Dokumentation No Other Land und deren sowohl israelische als auch palästinensische Regisseure sehen sich bis heute Anfeindungen ausgesetzt, von Leuten, die wahrscheinlich deren Film nicht einmal gesehen haben. Dieser zeigt hautnah die Perspektive von Dorfbewohnern im Westjordanland, die mit Gewalt und Entzug der Lebensgrundlagen aus ihrer Heimat vertrieben werden sollen.