Berlinale '26 - Mouse
Wie ihr bei Die Letzte Filmkritik sehr bald noch hören werdet, hat Daniel bereits bei Sundance 2026 zwei Coming-of-Age-Filme gesehen, in denen Schüler*innen tragische Ereignisse auf Schulbühnen künstlerisch verarbeiten. Mouse kam jetzt noch auf der Berlinale dazu und hat, ganz wie Run Amok und The Musical, trotzdem genug eigene Qualitäten zu bieten, um als ein Festival-Highlight hervorzustechen.
Wir erzählen in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.
Links & Videos zur Filmkritik
Mouse auf der offiziellen Berlinale-Website
Unsere Filmkritik zu „Mouse“ als Text zusammengefasst:
Mouse fängt an wie ein üblicher Highschool-Film, den man schon zu kennen glaubt: eine stille, etwas unbeholfene Protagonistin, daneben die beste Freundin, die überall dazugehört und alles leicht wirken lässt. Dann passiert sehr früh das, womit der Film erst richtig beginnt: Die Freundin ist plötzlich tot und eine ganze Schule, ein ganzer Ort ist tief betroffen.
Wer darf nun wie in welchem Umfang trauern und wie lange, ohne sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken oder anderen ihren Raum dafür zu nehmen? Mouse beobachtet das ohne moralischen Zeigefinger. Der Film zeigt eher, wie hilflos alle oft in solchen Situationen sind, auch die Erwachsenen, und wie schnell man sich aneinander stößt, obwohl eigentlich für alle ein Verlust in der Mitte klafft.
Die Hauptfigur hadert besonders damit, dass andere ihr den Status als „beste“ Freundin der Verstorbenen streitig machen wollen. Und sucht dazu auch die Nähe der bis dahin orientierungslos für sich alleine trauernden Mutter. Fortan erleben wir authentisch, ohne manipulativ auf die Tränendrüse zu drücken, wie Trauer nicht nur traurig macht, sondern auch wütend, neidisch, peinlich, manchmal sogar gemein. Besonders, wenn es um Teenager geht. Diese Unschönheiten werden nicht zugunsten kitschigen Gefühlskinos geglättet.
Mouse ist dennoch nicht durchgehend deprimierend erzählt. Zwischendurch ist der Film sogar lustig, auch warmherzig und vor allem wunderschön inszeniert. Optisch schafft das Regie-Duo Kelly O’Sullivan und Alex Thompson durch Lichtsetzung und Kamera den Spagat zwischen glaubwürdiger Inszenierung und nostalgischem Analogfilm-Look.
Und wenn die Schule schließlich ein großes Gedenk-Event veranstaltet, macht Mouse auch daraus keinen genretypischen Final-Moment mit sofortiger Erlösung für alle und für immer. Er schafft es bis zum Schluss, seine komplexe Betrachtung aufrecht zu erhalten, die uns emphatisch ihren echt anmutenden Charakteren immer näher kommen lässt.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.


