Berlinale '26 - Rose (Silberner Bär für Sandra Hüller)
Eine Frau gibt sich im 17. Jahrhundert als Mann aus und Sandra Hüller spielt auch genau das mit vielen Nuancen, anstatt einfach nur plumpe Männerklischees zu Mimen. Nicht nur wir sind voll des Lobes für ihres Performance, der Berlinale 2026 war diese anspruchsvolle Darbietung einen Silbernen Bären für die beste Schauspielleistung des Festivals wert. Grund zu doppelter Freude: Der Film Rose ist auch sonst sehr gut, finden Daniel und der Kaffeemann!
Wir verraten in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern. Ohnehin verrät dieser Film zu Beginn bereits, wie er endet.
Links & Videos zur Filmkritik
Rose auf der offiziellen Berlinale-Website
Die Letzte Filmkritik über Des Teufels Bad
Unsere Filmkritik zu „Rose“ als Text zusammengefasst:
Rose von Regisseur Markus Schleinzer erzählt im 17. Jahrhundert von einer Frau, die unter männlicher Identität aus dem Krieg zurückkehrt, das Erbe eines gefallenen Kameraden antritt und sich in einem kleinen protestantischen Dorf ein Gehöft aufbaut. Ein riskanter Versuch, sich ein Leben und Rechte zu nehmen, die ihr als Frau verwehrt wären. Der Film gewinnt seine Sogkraft vor allem aus der strengen, erstaunlich klaren Schwarz-Weiß-Bildsprache mit meist statischen Einstellungen, die eher wie präzise komponierte Gemälde wirken als wie nostalgischer Filter.
Sandra Hüller spielt diese Rose als vielschichtige Figur: eine Frau, die Männergesten und -autorität bewusst nachahmt, sie manchmal übersteuert, um sich mit Nachdruck durchzusetzen, und dadurch ständig zwischen Kontrolle, Angst und Entschlossenheit balanciert. Auch ein Voice-over ist hier ausnahmsweise ein Gewinn, weil es nicht nacherzählt, was ohnehin zu sehen ist, sondern sparsam vorausdeutet und den roten Faden spannt.
Inhaltlich entsteht interessantes weniger aus der Frage, ob Rose auffliegt, sondern daraus, wie Rose in einer eng gezurrten Dorfordnung Aufgaben, Auflagen und Feindseligkeiten umgeht, sich integriert und dabei sichtbar macht, wie willkürlich die damaligen Regeln und patriarchalen Zuschreibungen sind.
Nebenrollen halten das Niveau der starken Hauptbesetzung allerdings nicht immer und im letzten Filmdrittel wirkt die Handlung zu früh auf einen recht klaren Pfad festgelegt; nach den starken, ambivalenten ersten zwei Akten hätte eine zusätzliche Ebene oder ein mutigeres Ausspielen der Möglichkeiten, vielleicht als Traumvorstellung Roses, dem Finale mehr Nachhall gegeben.
Unterm Strich tragen Bildgestaltung, Erzählhaltung und Hüllers faszinierendes Spiel den Film trotzdem in unserer Gunst sehr weit - ein empfehlenswertes Highlight der Berlinale 2026.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.


