Sundance & Berlinale '26 - Ghost in the Cell
Ein asiatischer Film mit Martial-Arts-Kämpfen darf auf der Berlinale scheinbar nicht fehlen. Doch wo The Old Woman With the Knife vergangenes Jahr eher konservativ das Übliche bot, ist Ghost in the Cell ein ungewöhnlicher Mix aus Action, Horror, Gefängnisfilm und sogar mit etwas gesellschaftspolitischer Kritik garniert. Manchmal zu albern für unseren Geschmack - aber dennoch sehr unterhaltsam und eben nicht einfach nur wieder mehr vom Selben. Wohl auch deswegen war der Film bereits im Januar auch beim Sundance Film Festival im Programm.
Wir erzählen in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.
Links & Videos zur Filmkritik
Ghost in the Cell auf der offiziellen Berlinale-Website
Die Letzte Filmkritik - The Old Woman With the Knife
Unsere Filmkritik zu „Ghost in the Cell“ als Text zusammengefasst:
Ghost in the Cell ist ein indonesischer Genre-Mix, der seine Prämisse knallhart startet (brutaler Mord in der Redaktion eines Investigativjournalisten) und dann in ein Gefängnis-Setting wechselt, wo der deutlich weniger ernst gemeinte Restfilm rund um einen blutrünstigen Geist spielt, der sich als Mitbringsel eines Neuankömmlings durch Wärter und Häftlinge meuchelt.
Statt ernsthaft gruselig sein zu wollen, entscheidet Regisseur Joko Anwar sich früh für einen bewusst unterhaltsamen, teilweise parodistischen Ton - mit Martial-Arts-Kampfeinlagen, Gang-Dynamik, einem sadistischen Aufseher, schrägen Nebencharakteren und Gags, die mitunter spielerisch augenzwinkernd die Fourth Wall durchbrechen.
Das erinnert zuweilen an die Martial-Arts-Komödie Kung Fu Hustle, ist manchmal etwas zu albern geraten, bleibt aber als eigener Film insgesamt erstaunlich stabil: Die Regeln des übernatürlichen Elements werden nach und nach etabliert und dann im Verlauf sogar weitgehend eingehalten. Durch unterschiedliche Charaktere, den körperzerfleischenden Mördergeist und die strenge Gefängniskultur entsteht zunehmend unterhaltsame Dynamik.
Der Look des Films ist eher zweckmäßig ok als hochwertig und mit einigen Slapstick-Momenten trifft er nicht unbedingt immer unseren Humor. Doch im Vergleich zu vielen austauschbaren Festival-Filmen dieses Jahres, funktioniert Ghost in the Cell, der bei Sundance und auf der Berlinale lief, als eigenwillige Mischung überraschend gut. Und ist sogar erinnerungswürdig. Nicht weil er Angst einjagt oder wegen seines hohen Gewaltgrades, sondern weil er sich traut, inhaltlich ungewohnt zu sein, dabei aber handwerklich solide bleibt - schlicht in erster Linie gut unterhalten möchte. Das schafft er für seine angenehme Laufzeit von 106 Minuten - aber nicht mehr.
Gesellschafts- und Systemkritisch anklingende Töne gehen im Humor weitgehend unter, werden vom Setting eines indonesischen Gefängnisses allerdings sowieso schon inhärent mitgebracht. Wer nicht schon von Beginn an mit korrupten Wärtern und unfairer Behandlung ärmerer Menschen rechnet, wird hier auch nur sehr oberflächlich über solche Verhältnisse aufgeklärt.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.


