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Berlinale '26 - A Prayer for the Dying

Berlinale '26 - A Prayer for the Dying

Pandemie-Albtraum trifft Western - aber A Prayer for the Dying hat sich noch viel stärker einer anderen Parabel verschrieben, in der Schuldgefühle und seelische Qualen für einen Soldaten nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg verarbeitet werden. Der Kaffeemann und Daniel fanden das auf der Berlinale 2026 zu Beginn noch gut… am Ende aber leider nicht mehr.

Filmbild “No Prayer for the Dying” © Łukasz Bąk (2026)

Wir verraten in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, der auf einer Literaturvorlage beruht.


Links & Videos zur Filmkritik


No Prayer for the Dying auf der offiziellen Berlinale-Website


Unsere Filmkritik zu A Prayer for the Dying als Kurztext zusammengefasst:

A Prayer for the Dying beginnt mit einer Eröffnungsszene, die erst einmal wie ein überstilisiertes Soundstage-Experiment wirkt und kurz Befürchtungen weckt, doch schon ab der zweiten Szene findet der Film überraschend schnell zu einer leichten, kurzweiligen Tonlage: ein spätes Western-Setting in Wisconsin 1870, nach dem Civil War, mit kleinen, originellen Verschiebungen (der Sheriff fährt Fahrrad statt zu reiten), trockenem, teils Coen-artigem Dialogwitz und der Idee, eine Seuche in einer Mini-Stadt als Quarantäne-Szenario auszuspielen. Das ist nicht als plattes Corona-Gleichnis angelegt, eher als humorvoller Blick darauf, wie sich Panik, Regelstreit und Gemeinschaftsdruck in einer anderen Zeit anfühlen. In dieser Phase wirkt das Ganze wie absurdes Theater: eigen, komisch, mit starken, spartanischen Bildern eines winzigen Siedlungs-Kosmos, der die Geschichte gut trägt.

Dann kippt der Film. Mit dem Ausbruch der Diphtherie wird er zunehmend dramatisch, versucht über sehr langsame, überdehnte Kamerafahrten künstlich Spannung aufzupumpen, stapelt Leid, Suizid, Kindstod – und verliert dabei genau die zuvor funktionierende Leichtigkeit. Das wäre nicht schlimm, wenn der ernste Teil erzählerisch stärker würde; stattdessen zieht sich der Film in die Länge und wirkt, als wolle er dem zuvor bewusst Absurden im Nachhinein eine psychologische Bedeutung überstülpen. Im Schlussdrittel rastet er schließlich in eine Traum- und Metaphernebene aus, die eine Bürgerkriegshölle mit plumpen Bildern und schlechten Effekten maximal ausstellt: Surrealismus als Zumüllung statt als präzise Zuspitzung. Dadurch kippt das zuvor vorhandene Potenzial endgültig ins Bedeutungslose und wirkt stellenweise eher wie beliebiges Effektgewitter als wie eine durchdachte filmische Idee.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.

Berlinale '26 - No Good Men (Eröffnungsfilm)

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