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Berlinale '26 - Der Heimatlose (Sagt „nein“ zum Hein!)

Berlinale '26 - Der Heimatlose (Sagt „nein“ zum Hein!)

In Der Heimatlose kehrt ein Mann auf eine Insel zurück und behauptet, dort aufgewachsen zu sein – worauf die Dorfgemeinschaft seine Identität in einem amtlichen Gerichts- und Erinnerungsspiel infrage stellt. Der Frage nach Wahrheit, Lüge und Zugehörigkeit geht Regisseur Kai Stänickes Debüt-Langfilm wie ein pseudotiefsinniges Theaterexperiment nach, das seine Bedeutung mit solch prätentiöser Penetranz vor sich herträgt, dass die 122 Minuten elend anstrengend werden. Für uns der filmische Tiefpunkt des diesjährigen Festivals!

Filmbild “Der Heimatlose” © Florian Mag (2026)

Wir erzählen in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.


Links & Videos zur Filmkritik



Unsere Filmkritik zu „Der Heimatlose“ als Text zusammengefasst:

Der Heimatlose (The Trial of Hein) war auf der Berlinale 2026 ohne jeden Zweifel das prätentiöseste Werk, das uns untergekommen ist. Die Geschichte um einen Mann namens Hein, der auf eine Insel zurückkehrt und behauptet, dort aufgewachsen zu sein, während die Dorfgemeinschaft seine Identität in einem spontan organisierten Gerichts- und Erinnerungsprozess anzweifelt, wurde hier vom deutschen Debütregisseur Kai Stänicke als pseudokunstvolles Hybridwesen aus Theater und Film inszeniert.

Halbfertige, offenstehende Gebäude ohne Dach, die es wohl aufs Minimalste reduzierten Kulissen aus Filmen wie Dogville gleichtun sollen, sind dafür nur das erste Indiz. Die zentrale Frage nach Wahrheit und Identität, das dorfgerichtartige Nachstellen von Erinnerungen - all das wirkt nicht klug gebaut, sondern wie aufdringlich ausgestellt und schon früh völlig durchschaubar. Und doch fast unerträglich bedeutungsschwanger vorgetragen.

Hinzu kommt in jeder Hinsicht misslungenes Schauspiel, stets mit Extraportion Ernst in den ansonsten fast ausdruckslosen Gesichtern. Sprachlich dominiert überdeutlich prononcierte, verkünstelte Betonung. Viele Dialoge klingen wie Schultheater, nur ohne Charme, Präzision oder innere Notwendigkeit.

Spätere Plot-Elemente rund um queere Identitätsfindung in einer geschlossenen, konservativ geprägten Kommune und Selbstleugnung mancher Protagonisten, auch Fragen um Subjektivität von Erinnerungen gemeinsam erlebter Ereignisse, entfalten im Angesicht der ablenkend misslungenen Inszenierung keine das Gesamtwerk wieder gutmachende Wirkung.

Es ist ein Film über die Frage nach Lüge oder Wahrheit, in dem das liebste Kartenspiel der Dorfbewohner „Lüge“ heißt. Zu einer Partie „Lüge“ herausgefordert, will der Hein, dem vorgeworfen wird ein Lügner zu sein, von seinem Gegenüber als Wetteinsatz die Wahrheit hören. Auf diesem Level intellektuell „anspruchsvoll“ ist Der Heimatlose...

122 Minuten, die sich unerträglich lang anfühlen. Nicht nur, wenn man sie im unbequemsten Kino der Berlinale, dem Bluemax Theater, durchleiden muss.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.

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