Berlinale '26 - Good Luck, Have Fun, Don‘t Die
Ein Mann stürmt in Good Luck, Have Fun, Don’t Die ein amerikanisches Diner, behauptet, aus der Zukunft zu kommen - und erklärt den verdutzten Gästen, dass Social Media, Smartphones, vor allem jedoch Künstliche Intelligenz die Menschheit bald in den Untergang führen werden. Nur eine zufällige Gruppe Restaurantbesucher*innen könne nun helfen, das zu verhindern. Eine herrlich absurde Zeitreise-Prämisse. Eigentlich - doch dieser Film wirkt letztlich nur so, als hätten ein paar Boomer zwar gute Ansätze verfolgt, sie jedoch nur peinlich plakativ und kontraproduktiv oberflächlich auf die Leinwand gebracht.
Wir erzählen in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.
Links & Videos zur Filmkritik
Good Luck, Have Fun, Don‘t Die auf der offiziellen Berlinale-Website
Die Letzte Filmkritik - Mickey 17 von der Berlinale 2025
Unsere Filmkritik zu „Good Luck, Have Fun, Don‘t Die“ als Text zusammengefasst:
Good Luck, Have Fun, Don’t Die startet mit einer unterhaltsamen, überraschend komödiantischen Eröffnung: Der Protagonist (Sam Rockwell) stürmt in ein amerikanisches Diner, spielt Überfall als Showeinlage und behauptet, aus der Zukunft zu kommen, in der Social-Media-Abhängigkeit und KI-Entwicklungen die Menschheit in eine dystopische Versklavung geführt haben. Die Prämisse - ein Zeitreisender, der zum x-ten Mal ein Team aus zufällig Anwesenden zusammenstellt, um den Lauf der Geschichte zu kippen - hat kurz etwas von Twelve Monkeys vermengt mit Terminator in leichter, poppiger Variante und weckt echte Hoffnung auf ein cleveres Time-Loop-Missions-Konzept.
Jedoch bleibt es dabei, dass wir nur eine Konstellation der Restaurantbesucher bei einer einzigen dieser Verzweiflungsmissionen begleiten, durchzogen von Rückblicken über die Hintergründe der jeweiligen Charaktere. Zunehmend entsteht ein substanzloses Kuddelmuddel plakativster Botschaften über modernen technischen Fortschritt. Der Gedanke, dass Smartphones und Social-Media vor allem Jugendliche zu regelrechten Zombies machen ist zum Beispiel nicht ganz verkehrt, hier jedoch so dargestellt als wäre dies kein hochwertiger Kinofilm, sondern ein Lückenfüller-Sketch in einer billig produzierten Comedy-Show.
Am Ende wiederholt der Film seine sehr platte Botschaft auf immer ermüdendere Art und bedient sich dabei den abgegriffensten Motiven. Vom kleinen Superhacker-Computer-Nerd, der tütenweise Maisflips futtert, hin zum wahr gewordenen Katzen-Meme. Wir könnten Good Luck, Have Fun, Don‘t Die nach seinen mehreren angetäuschten Enden noch zugute halten, dass er vielleicht selber AI-Slop nachahmen wollte, um so zu demonstrieren, dass wir den Kampf gegen generische, nährwertlose Konsumware, die uns eigentlich nur gefangen nehmen will, längst verloren haben. Wie wir es drehen oder wenden fühlt sich genau das dann aber nicht wie ein cleverer Erzählkniff an, sondern wie eine, die eigene Message untergrabende, Mittäterschaft.
Zumal Gore Verbinskis neuer Film erschreckend uninspiriert und lustlos präsentiert wirkt. Selbst die späteren Effektsequenzen haben etwas Standardisiertes, als hätte niemand der Beteiligten so wirklich Elan gehabt, daraus eine eigene Bildwelt zu bauen. Eine einzige interessante Figur, neben dem Zeitreisenden als Protagonist, ist die „Prinzessin“ (Hayley Lu Richardson), die von Geburt an allergisch auf Elektronik und besonders auf WiFi reagiert. Sie ist dieser eine Charakter, dessen Backstory neugierig macht, den der Film aber zum Schluss doch auch nur ohne intelligenten Gedanken zum faul konstruierten Ende führt.
Im letzten Drittel kippt alles endgültig in seelenlosen Sci-Fi-Schlock: Der Film bläht sich auf, findet keine Punktlandung, versucht sich mit lauten VFX-Sequenzen und Slapstick-Exkursen zu retten und endet dann auch noch mit einem „Gag-Ende“, das rückwirkt, als sei ein Großteil der Laufzeit egal und alles anfangs spannende für die Katz gewesen. Und zwar eine reale Katz, kein Tik-Tok-Meme.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.


