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Berlinale '26 - Rosebush Pruning

Berlinale '26 - Rosebush Pruning

Eine schwerreiche Familie mit inzestuösen Gewohnheiten in patriarchalen Strukturen wird durch Pläne eines Sohnes erschüttert, zu seiner neuen Freundin ziehen zu wollen. Ein Flaschenöffner für kleine bis große Intrigen, sich entfaltende Geheimnisse, viel exzentrisches Verhalten und Mord. Die illustre MUBI-Produktion Rosebush Pruning ist für Daniel und den Kaffeemann eine der wenigen positiven Überraschungen auf der Berlinale 2026 gewesen.

Filmbild “Rosebush Pruning” © Mubi (2026)

Wir verraten in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern.


Links & Videos zur Filmkritik


Rosebush Pruning auf der offiziellen Berlinale-Website und bei MUBI


Unsere Filmkritik zu „Rosebush Pruning“ als Text zusammengefasst:

Rosebush Pruning stellt eine exzentrische, sehr reiche Familie in den Mittelpunkt. Sie lebt fast kommunenhaft, wohlgemerkt freiwillig, frei von existenziellen Sorgen in einer Designer-Villa auf einem Berg in Spanien. Der Vater ist übergriffig, alt und blind, die erwachsenen Kinder hängen in Ritualen, Modefetisch und einer seltsam inzestuösen Beziehung zueinander wie in einem Fantasie-Universum den lieben langen Tag herum.

Der Film, ein Remake von Mit der Faust in der Tasche, nimmt diese Figuren ernst genug, um sie nicht als Karikaturen wegzulachen, und stellt sie zugleich so scharf aus, dass ihre Leere, Trägheit und Eitelkeit komisch wird. In der besten Phase geht es kaum um Plot, sondern um das Kennenlernen dieser Dynamiken: Vaterautorität, Kinks und Grenzverschiebungen, die nicht zwanghaft „edgy“ vorgeführt werden, sondern in dieser hier abgebildeten Welt einfach dazugehören, weil diese affektiert verzogenen Leute seit Jahren in Isolation umeinander kreisen.

Stil und Rhythmus erinnern dabei an eine seltsame Mischung aus Familienensemble-Komödie und trockener Groteske; als hätten sich Wes Andersons The Royal Tenenbaums und Yorgos Lanthimos‘ Kinds of Kindness getroffen und ein Kind gezeugt. Getragen wird dies auch von starkem Sounddesign, einem eleganten, erwachsenen Blick und Darsteller*innen, die das Artifizielle mit erstaunlicher Menschlichkeit füllen.

Erst im letzten Drittel verliert Rosebush Pruning unsere Aufmerksamkeit ein wenig: Sobald der Film eine konkrete Handlung zuschnürt, verliert er Reiz und Tempo. Die Pointe, dass ein Leben im Überfluss und außerhalb jeder Normalität am Ende zur Selbstzerstörung führt, wirkt als Schlussfolgerung zu banal und zu abrupt, weil der Film vorher eher von seinen Details, Beobachtungen und der Lust am Sonderbaren lebte als von einer zwingenden Dramaturgie.

Trotzdem bleibt Rosebush Pruning als Charakter- und Atmosphärenstück ein klarer Gewinn: kurz, eigen, handwerklich wach, mit einer seltenen Fähigkeit, unsympathische Figuren so interessant zu machen, dass man ihnen gern länger zusieht.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.

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