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Sundance & Berlinale '26 - Saccharine (Abnehmpillen-Horrorfilm)

Sundance & Berlinale '26 - Saccharine (Abnehmpillen-Horrorfilm)

Dieser Abnehmpillen-Horrorfilm aus Australien hat es sowohl aufs Sundance Film Festival als auch auf die Berlinale 2026 geschafft. Warum aber, das wissen wir nicht. Daniel und der Kaffeemann sahen darin nur ein schon mehrmals wiederaufgewärmtes Mikrowellengericht, wie ein halbgar aufgetischter Versuch, The Substance und It Follows ohne eigene Würze irgendwie zu vermengen.

Filmbild “Saccharine” © (2026)

Wir verraten in dieser Rezension allgemeingehalten und ohne zu viele Details auch Aspekte des späteren Handlungsverlaufs, verraten aber nie zu viel, um damit unerwartetes zu spoilern. Ohnehin verrät dieser Film zu Beginn bereits, wie er endet.


Links & Videos zur Filmkritik



Unsere Filmkritik zu „Saccharine“ als Text zusammengefasst:

Eine Medizinstudentin fühlt sich zu dick, trifft eine ehemals übergewichtige Freundin, die plötzlich drastisch abgenommen hat, und bekommt Wunderpillen zugesteckt. Als sie die Tabletten untersucht, stellt sich heraus, dass sie im Kern aus menschlicher Asche bestehen. Ab hier kippt die Geschichte in postmortalen Kannibalismus: In der Anatomie schnappt sich die Protagonistin heimlich Knochen einer extrem übergewichtigen Leiche („Big Bertha“), kremiert sie, füllt die Asche in Kapseln und führt akribisch Tagebuch über den tatsächlich eintretenden Abnehmeffekt, während sie gleichzeitig von einer monströs inszenierten, nackten „Big-Bertha“-Geistererscheinung heimgesucht wird.

Saccharine wirkt wie ein Film, der aus lauter halbgar aufgeärmten Versatzstücken zusammengemixt wurde und der deswegen auch nie genau weiß, was er eigentlich sein will: ernsthafter Body-Horror, bissige Satire über Diätwahn oder Geister-Horrorfilm? Alles zusammen genießbar auf einen Teller zu bringen, hätte viel mehr Finesse bei Drehbuch und Ausführung erfordert.

Der Film behandelt seine eigene Halluzinations- und Geisterebene wie eine Selbstverständlichkeit, ohne dass daraus konsequent entweder überzeugender Horror oder satirische Komik entsteht. Statt Eskalation gibt es Wiederholung; statt psychologischer Spannung viele ausführliche Dialoge mit den Freundinnen der Protagonistin, die sich anfühlen, als würden sie unnötig Laufzeit füllen.

Hinzu kommen weitere, nur angerissene Baustellen - eine Romanze mit einer Fitnesstrainerin, ein Vater im komödiantisch billig aussehenden Fettsuit und eine schlanke Mutter, die wir nur als wandelndes Kischee wahrnehmen. Themen wie Körperdruck, Stigmatisierung und der Umgang mit ungesundem Übergewicht werden nie konsequent durchdacht in die Handlung eingewoben. Am Ende bleibt sogar unklar, welche Haltung der Film selbst einnimmt: Kritisiert er Fatshaming und Schönheitszwang - oder reproduziert er ihn, indem zum Beispiel ausgerechnet eine dicke Frau als dämonisch „Böse“ reduziert wird?

Formal verstärkt sich der Eindruck einer unausgereiften Produktion: Beleuchtung, Maske und Schauspiel wirken oft ablenkend unausgegoren, Effekte und Leichen-Requisiten sind in ihrem Umfang ambitioniert, jedoch zu sichtbar im Film als künstlich erkennbar.

Über allem liegt das Gefühl, hier hätte man nur frühere Erfolgsrezepte zusammenwerfen wollen: ein Intro und eine Wunderpillenprämisse, die deutlich an The Substance erinnern. Dazu überdeutliche Anleihen bei It Follows und die Medizin-Fakultät-/Kannibalismus-DNA von Raw. Übrig bleibt ein Film, der zwar ein paar effektive Ekelbilder zeigt, aber keinen Schrecken und keine Ebene zum drüber Nachdenken bietet.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook mit dem Kaffeemann auf der Berlinale in Berlin aufgenommen.

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