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OverExposition: One Battle After Another - Desillusion auf allen Seiten

OverExposition: One Battle After Another - Desillusion auf allen Seiten

Utopien als Ziel, Purismus als Selbstanspruch, Glorifizierung von Idolen - und ein Kampf nach dem anderen als Schwur fürs Leben. Ob beim Antagonisten oder jenen, die er im Verlauf des Films jagt: Die verschiedenen Fraktionen und Personen in One Battle After Another eint, dass sie auf verschiedenste Art und Weise mit Desillusionen konfrontiert werden oder diese sogar gleich selbst verkörpern. Daniel erklärt das in diesem OverExposition-Podcast (mit wenigen Spoilern) genauer.

Originalbild: One Battle After Another / © Warner Bros. (2025)

Daniel spoilert in diesem Podcast ohne Vorwarnung nichts wesentliches oder überraschendes, was nicht schon aus Trailern vorab ersichtlich geworden ist..


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Kernaussagen des Podcasts zusammengefasst:

One Battle After Another zählt zu den herausragenden Filmen des Jahres 2025. Das politisch aufgeladene, gleichwohl bewusst als Parallelwelt angelegte Setting - ein Prolog in den 1990er-Jahren, gefolgt von einem 16-Jahres-Sprung in die Gegenwart - greift gesellschaftliche Polarisierungen auf und verarbeitet lose Motive aus Thomas Pynchons Roman Vineland, bleibt dabei jedoch eigenständig. Im Mittelpunkt stehen ein ehemaliger Revolutionär und jetziger Vater (Leonardo DiCaprio), der unter neuer Identität seiner Vergangenheit zu entkommen versuchte, sowie sein Verfolger (Sean Penn), ein ultranationaler Akteur, dessen heimliche Obsession mit der schwarzen Revolutionsführerin die postulierte „Reinheit“ seiner Ideologie unterminiert.

Zentrales Interpretationsangebot ist die konsequente Demontage der Glorifizierung makelloser Galionsfiguren: Weder der vermeintlich „reine“ Rassist noch die verehrte Freiheitskämpferin, die als Kronzeugin bricht, noch der einst kompromisslose Bombenleger, nun ganz der Sicherheit seiner Tochter verpflichtet, erfüllen den ihnen zugeschriebenen Mythos. Daraus erwächst keine Resignation, sondern eine Mahnung: Kämpfe um Gerechtigkeit sind generationenübergreifend; ein zeitweiser Rückzug kann sinnvoll sein, wenn er Verantwortung weitergibt – hier verkörpert durch die Tochter des Freiheitskämpfer-Liebespaars, die den Impuls schließlich fortführt.

Der Film bezieht auf diese Weise durchaus politisch erkennbar Stellung, lässt klar erkennen welche Ansichten er für gut und welche für schlecht hält, jedoch ohne intellektuelle Pose. Unbeholfen und fehlbar sind hier letztlich alle Charaktere, ob Protagonist oder Antagonist. Wir dürfen herzhaft lachen, uns unterhalten fühlen, übers Filmhandwerk ins Schwärmen geräten - ohne die Ernsthaftigkeit der unterliegenden Themen dabei zu verhöhnen oder zu marginalisieren. So macht sich auch Filmkunst mit progressivem Weltbild unwiderstehlich für ein breites Publikum.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook auf Reisen in Hürth aufgenommen.

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