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Springsteen: Deliver Me From Nowhere - Wäre der Film doch mehr wie Nebraska

Springsteen: Deliver Me From Nowhere - Wäre der Film doch mehr wie Nebraska

Springsteen: Deliver Me From Nowhere handelt zu großen Teilen um die Entstehung des sehr roh, sehr authentisch und ungeschliffen produzierten Albums Nebraska von Bruce Springsteen. Daniel hätte aber gerne gesehen, dass auch dieser Film so kompromisslos vor künstlerischer Energie und unverfälschter Virtuosität gestrotzt hätte. Stattdessen gibt’s viel banales aus einem - für einen biografischen Film - vielleicht auch gar nicht so superinteressanten Leben hinter der eindrucksvollen Bühnenfigur, die heute alle nur “The Boss” nennen.

Originalbild: Springsteen - Deliver Me From Nowhere © 20th Century Studios (2025)


Daniel verrät in dieser Filmkritik nur so wenig wie nötig von der Filmhandlung.


Links & Videos zur Filmkritik



Daniels Filmkritik zu Deliver Me From Nowhere als Kurztext:


Deliver Me from Nowhere konzentriert sich auf eine schmale, aber reizvolle Phase aus Bruce Springteens Karriere und Leben: die Entstehung seines heute legendären Albums Nebraska. Rohaufnahmen, Studio-Improvisation, sowie Springsteens Weigerung, Politur über die Demos zu legen. Zudem die Entscheidung, den prädestinierten Evergreen Born in the U.S.A. zunächst außen vor zu lassen: Der Film funktioniert immer dann, wenn Musikhandwerk und Studiopolitik im Vordergrund stehen.

Technische Kniffe, die Übertragung unperfekter Tapes auf Vinyl, Beharren auf Tonalität und Wahrhaftigkeit in Springsteens Schaffen. Hier hat der Film unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Als Biopic im Gesamten bleibt das Drama allerdings dünn. Mit viel zu simplen Vignetten in die Kindheit des späteren Weltstars. Einer zu eindimensional gezeichneten Beziehung zum Vater, die als tragende Dramaturgie und Wurzel für Springsteens spätere Depressionen, auch seine Bindungsschwierigkeiten, zu banal, zu gewöhnlich, nicht drastisch genug wirkend abgebildet erscheint. Insbesondere im Vergleich zur biografischen Romanvorlage über Bruce Springsteen.

Nebenfiguren wie Manager John Landau (gewohnt stark gespielt von Jeremy Strong) und Tontechniker Mike Batlan (Paul Walter Hauser) bleiben facettenarme Skizzen, bekommen keinen Raum sich als real anmutende Personen zu entfalten. Woher etwa ihr unverwüstlicher Glaube an Springsteen als Künstler kommt, wie es zur Verbindung mit dem Ausnahmemusiker kam, sind interessante und kaum vom Film berührte Fragen.

Das Mitwirken von Bruce Springsteen selbst an diesem Film über sich, sichert in mancherlei Hinsicht gewiss mehr Authentizität, dämpfte aber wahrscheinlich auch Reibungspotenzial dieses Projekts, noch tiefer und rücksichtsloser in manche innere Abgründe eintauchen zu lassen.

Eine kurze, gelungene, surreale Collage zwischen Depression und Isolation im kreativen Prozess deutet an, was mit mehr Augenmerk auf Springsteens tiefste, innerer Welt möglich gewesen wäre. Getragen wird vieles von Jeremy Allen White, der Körperlichkeit und Bühnengesten präzise trifft, ohne in bloße Mimikry zu kippen. Er lebt… er ist mit Haut und Haaren Bruce Springsteen. Jedenfalls für diese 129 Minuten. Seine Topbesetzung schöpft Regisseur Scott Cooper nicht genügend aus, insbesondere musikalische Auftritte sehen wir viel zu wenig.

Was hier aus Springsteens Lebensgeschichte dramatisiert erzählt wird, mutet zu konventionell und kaum interessant an, um die volle Laufzeit eines Spielfilms der Vorlage entsprechend würdig zu füllen. Sehenswert ist Deliver Me From Nowhere für die Nebraska-Passagen hinter den Kulissen der Albumsentwicklung. Ansonsten ist dieses Biopic jedoch “nur“ gut. Gemessen an Bruce Springteens Stellenwert, vor allem in den USA, und seinen gesammelten Werken als Künstler, ist das allerdings zu wenig. Besonders mit diesem perfekten Hauptdarsteller.

Autor: Daniel Pook



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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook in unserem Studio in Berlin aufgenommen.

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