OverExposition - Wie Good Fortune seine gute Message ruiniert
Es gibt einen Moment in Good Fortune: Ein Ganz Spezieller Schutzengel, als Daniel im Kino richtig begeistert war und glaubte, dies könne ein großartiger Film werden. Ein Gegenpol zu all den scheinheiligen Hollywoodfilmen, die sich als Kapitalismuskritik verkleiden, uns aber eigentlich als Produkt sehr reicher Leute und Konzerne nur verklickern wollen, dass es besser sei, wenn wir einfache Normalverdiener einfach einfache Normalverdiener blieben. Da Geld nämlich eigentlich gar keine Probleme löse. Dieser Film hier sagt erst überraschend wortwörtlich das Gegenteil… und fällt sich zum Schluss dann selbst in den Rücken. Hört Daniel in diesem Podcast ausführlich und mit Spoilern erklären, wie Regisseur & Autor Aziz Ansari seine anfangs tolle Message ruiniert hat.
Daniel spoilert - nach Vorwarnung - später im Podcast etwas mehr über das Filmende, um seine Kritik angemessen begründen zu können. Dies ist eine OverExposition-Folge mit Analyse der gesamten Filmhandlung.
Links & Videos zur Filmkritik
Die Letzte Filmkritik - Momo
Daniels Filmkritik über Momo von 2025 bei Golem.de zum Nachlesen (mit weiterführenden Quellen)
Daniels Kritik an Good Fortune als Text zusammengefasst:
Good Fortune beginnt wie eine harmlose Hollywood-Komödie und überrascht dann mit klarer Klassenanlage: Arj (gespielt von Aziz Ansari), ein prekär lebender Gig-Economy-Worker in Los Angeles, verzweifelt an Geldnot und Perspektivlosigkeit, während Tech-Milliardär Jeff (Seth Rogen) im Wohlstand treibt. Der Engel Gabriel (Keanu Reeves) vertauscht daraufhin ihre Lebenspositionen: Alle anderen halten den Tausch für immer schon so gewesen, nur der jetzt superreiche Arj und Schutzengel Gabriel wissen anfangs vom Eingriff.
Bis zur Mittelstrecke funktioniert der Film und überrascht positiv: Geld beseitigt für Arj sehr real seine Existenzprobleme; Gabriel entpuppt sich als naiver Weltverbesserer; Jeff wird gezwungen, die Härten eines Alltags am unteren Rand kennenzulernen. Die Werkseinstellung des Films ist da erfreulich unromantisch: Die sonst eher übliche Filmmoral „Geld macht nicht glücklich“ wird gegen die Realität der US-Prekarität getestet – und kurzfristig widerlegt. Oft lustig und liebevoll anzusehen ist zudem das Odd-Couple-Duo Jeff & Gabriel. Keanu Reeves’ artifizielle, leicht fremdweltliche Spielweise passt zur Figur. Visuell bleibt es beim soliden, generischen Arri-Alexa-Look—ausreichend für eine Dialogkomödie, ohne filmische Handschrift.
Im letzten Drittel jedoch bricht der Film sein bis dahin gegebenes Versprechen. Statt die Klassenfrage zuzuspitzen oder strukturell zu denken (Gewerkschaft, Unternehmenspraxis, Verantwortungen), zieht die Erzählung sich auf private Läuterungen zurück. Arj übernimmt rasch die egoistischen Reflexe des Reichtums, denkt weder systemisch noch an konkrete Verbesserungen für die ehemaligen Kolleg:innen. Jeff kehrt am Ende mit ein paar Alibi-Zugeständnissen (winzige Lohnerhöhung, Toilettenregeln) in sein Imperium zurück. Das wirkt wie eine Rückkehr zur „natürlichen Ordnung“: der Arme wieder arm, der Reiche wieder reich—als sei das nun gereift und jetzt doch richtig.
Die Gewerkschaftslinie einiger Nebenfiguren bleibt Staffage; echte Machtfragen werden vermieden. So verrät das Finale die zuvor angenehm unkuschelige Botschaft und poliert den Status quo, entspricht so ganz den hierarchischen Idealvorstellungen des kapitalistischen Hollywoodsystems. Good Fortune ist ein zeitweise kurzweiliger Film, der leider aber nur antäuscht, dazu auch noch progressive und systemkritische Wahrheiten aufzuzeigen.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook in unserem Studio in Berlin aufgenommen.








