Der Kuss des Grashüpfers - Ein Sprung ins Bodenlose
Hier wollte deutscher Film mal ganz besonders tiefgründig und auch noch besonders sein. Vielleicht gar Kunst. Halbgar bis bodenlos langweilig ist das Ergebnis Der Kuss des Grashüpfers, über das sich Daniel und der Kaffeemann auf der Berlinale 2025 immerhin köstlich amüsiert haben. Aber erst NACH der Vorführung, nicht währenddessen, wohlgemerkt!
Originalbild: Der Kuss des Grashüpfers / © Neue Visionen Filmverleih (2025)
Kaffeemann & Daniel spoilern in diesem Podcast ohne Vorwarnung nichts wesentliches oder überraschendes, was nicht schon aus Trailern vorab ersichtlich wird.
Links & Videos zur Filmkritik
Kompletter Berlinale-Podcast mit Der-Kuss-des-Grashüpfers-Segment und allen anderen Rezensionen von 2025


Eine Frau gibt sich im 17. Jahrhundert als Mann aus und Sandra Hüller spielt auch genau das mit vielen Nuancen, anstatt einfach nur plumpe Männerklischees zu Mimen. Nicht nur wir sind voll des Lobes für ihres Performance, der Berlinale 2026 war diese anspruchsvolle Darbietung einen Silbernen Bären für die beste Schauspielleistung des Festivals wert. Grund zu doppelter Freude: Der Film Rose ist auch sonst sehr gut, finden Daniel und der Kaffeemann!
Bereits eine Woche bevor Regisseur İlker Çatak für seinen neuen Film den Hauptpreis der Berlinale 2026 entgegennehmen durfte, haben Daniel und der Kaffeemann bereits diesen Filmkritik-Podcast hier über Gelbe Briefe aufgenommen. Anstatt eines Goldenen Bären gibt‘s von den beiden jedoch nur ihrerseits gelbe und blaue Briefe, denn wir sind von diesem Versuch, viel wichtiges zu sagen und es doch nie so wirklich zu benennen, rundum schwer enttäuscht. Obwohl, auch das sei betont, Gelbe Briefe nur rein handwerklich betrachtet tatsächlich eigentlich ein sehr guter Film geworden ist.
In Der Heimatlose kehrt ein Mann auf eine Insel zurück und behauptet, dort aufgewachsen zu sein – worauf die Dorfgemeinschaft seine Identität in einem amtlichen Gerichts- und Erinnerungsspiel infrage stellt. Der Frage nach Wahrheit, Lüge und Zugehörigkeit geht Regisseur Kai Stänickes Debüt-Langfilm wie ein pseudotiefsinniges Theaterexperiment nach, das seine Bedeutung mit solch prätentiöser Penetranz vor sich herträgt, dass die 122 Minuten elend anstrengend werden. Für uns der filmische Tiefpunkt des diesjährigen Festivals!
Nicht One Battle After Another, nicht Bugonia,… schon gar nicht Avatar 3 ist Daniel Pooks Lieblingsfilm des Jahres 2025 geworden. Es ist, auch für ihn überraschend, eine deutsche Produktion. Nun mag In die Sonne Schauen längst kein Geheimtipp mehr sein, zumal der in Cannes mit dem Jury-Preis geehrte Film als unser Oscar-Beitrag bei den kommenden Academy Awards antritt. Dennoch möchte jetzt auch Die Letzte Filmkritik verspätet dazu beitragen, dass selbst die letzten Skeptiker sich dieses Meisterwerk von Mascha Schilinski endlich ansehen.
Horror aus Österreich, manchmal kommt dabei einer der besten Filme des Jahres heraus. Das war allerdings 2024, als Daniel von Des Teufels Bad ganz begeistert war. Auf der Berlinale 2025 weckte das falsche Hoffnungen, beim Kinobesuch zu Andreas Prochaskas nicht annähernd so gelungenem Welcome Home Baby - der es inzwischen trotzdem auch ohne unseren Zuspruch zu einem regulären Release gebracht hat.
Maria Reiche war eine beeindruckende Frau, die einen Großteil ihres Lebens der Wiederentdeckung, dem Verständnis und Erhalt der Nazca-Kunstwerke im Wüstensand von Peru gewidmet hat. Dieser Film über sie kann das leider überhaupt nicht ebenso eindrucksvoll transportieren. Das Geheimnis der Nazca-Linien hätte sich besser geeignet, um mit seinen Schauspieler*innen vereinzelte biografische Szenen für eine klassische Doku darzustellen.
Karla erzählt die wahre Geschichte eines mutigen Mädchens, das Anfang der 1960er Jahre ihren eigenen Vater wegen Missbrauchs vor Gericht brachte. Es war der erste Fall in Deutschland, bei dem sich ein Kind gegen Gewalt im Elternhaus mithilfe der Justiz zur Wehr setzte, lange bevor Prügelstrafen, sexueller Missbrauch und Kinderrechte in der öffentlichen Wahrnehmung, auch vor dem Gesetz, so gesehen wurden, wie es heute dank vieler positiver Entwicklungen im Allgemeinen der Fall ist. Die Verfilmung hätte eindringlicher sein müssen, auch schauspielerisch fehlt es an Facetten. Dennoch haben wir uns an das Grundthema und die Heldin im Mittelpunkt gerne heranführen lassen, da sie exemplarisch für vieles steht, das es braucht, um strukturelle Ungerechtigkeiten zu durchbrechen.
22 Bahnen ist als Roman schon ungemein erfolgreich gewesen - kein Wunder also, dass auch in unserem Team jemand das Buch zur Verfilmung gelesen hat. Loorie Wutz blickt mit dieser Perspektive auf die deutsche Leinwandadaption von Regisseurin Mia Maariel Meyer, die auch Daniel Pook durchaus gerne im Kino gesehen hat. Dass es grundsätzliche Kritikpunkte an der Handlung an sich gibt, da sind sich unsere beiden im Podcast allerdings ebenso einig.
Die Fortsetzung des erfolgreichsten deutschen Films aller Zeiten ist… irgendwie einfach nur da. Das Kanu des Manitu taugt weder zu großer Aufregung, noch als wahnsinnige Enttäuschung oder als richtig lustiger Komödienhit. Bullys Nachfolger zum - in jeder Hinsicht sehr viel besseren - Schuh des Manitu bietet harmlose, seichte Durchschnittsunterhaltung, bei der wir hier und da immerhin gelegentlich schmunzeln mussten.
Raus aus der Lausitz, weg vom betrügenden Ehemann und der Job im Baumarkt ist sowieso futsch. Wilma Will Mehr - und bricht mit Mitte 40 noch mal auf, ihr Leben durch fluchtartige Abreise nach Wien kräftig umzukrempeln. Ob wir uns von Fritzi Haberlandt als Wilma nach Regie und Buch von Maren-Kea Freese unsererseits mehr gewünscht hätten, hört ihr im Podcast mit Loorie & Daniel.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü-Podcast über eine interessante wie stark inszenierte Dokumentation, die Verfilmung einer Dokumentation über einen Tiefseetauchunfall und… einen herben Satire-Reinfall ohne jeden dokumentarischen Hintergrund. Hört Daniels Kritiken zu WO/MEN, Last Breath und Tanz der Titanen (aka Rumours).
Netflix kopiert gerne Konzepte anderer Filme oder greift populäre Themen auf, liefert seine selbstproduzierte „Netflix-Version“ davon für den eigenen Katalog. Selten überzeugend - und das deutsche Werk Delicious ist zudem auch noch einer der schlechtesten Filme, die wir auf der Berlinale 2025 gesehen haben.
Des Teufels Bad ist praktisch wie The Witch aus Österreich. Und sogar fast genau so gut! Wobei es hier nicht um okkultes geht, sondern in erster Linie um vielfach real vorgekommene Fälle sehr gläubiger Frauen im 18. Jahrhundert, die Morde an Kindern begangen haben, in der Hoffnung dafür hingerichtet zu werden. Dies sahen sie als Loophole an, um vor dem Tode noch eine Beichte ablegen und so in den Himmel kommen zu können. Wohingegen der Freitod garantierte Hölle bedeutet hätte. Im Film erleben wir sehr authentisch wirkend, wie sich schwere Depressionen im Umfeld kleiner Dörfer zu dieser Zeit vielfach abgespielt haben müssten. Und all das ist - auch ohne übersinnliche Momente - hier wahrer Horror in echten Wäldern.
Ein deutscher Komödien-Regisseur aus München, Jan Josef Liefers als Hauptdarsteller und Themen wie Gendern, Inklusion, Political Correctness oder sogenannte “Wokeness” als Aufhänger für einen Film namens Alter weißer Mann. Was hätte dabei auch nur annähernd schiefgehen können? Exactly…
Treasure: Familie ist ein fremdes Land ist so ein Film, der kann gut bei Kaffee und Kuchen nebenher im Fernsehen laufen - hat inhaltlich jedoch eigentlich so einen ernsten wahren Hintergrund, dass zumindest ein paar Stücke Zucker und ein halber Liter Milch weniger in der Tasse sehr angebracht gewesen wären. Zumal die biografische Romanvorlage offensichtlich viele Facetten mehr zu bieten gehabt hätte, als nur Stoff für einen ganz netten, oberflächlich vor sich hin tröpfelnden Vater-Tochter-Roadtrip.
Sieger Sein ist nicht nur ein Sportfilm für Kinder oder ein Flüchtlingsdrama über ein syrisches Mädchen in Deutschland. Der durchweg gelungene, teilweise biografische Berlinale-Teilnehmer von Regisseurin Soleen Yusef weiß seine junge Zielgruppe ernst zu nehmen und versteht Integration nicht bloß als einseitige Migrationsthematik.
Hätte Regisseur, Co-Autor und Produzent Christopher Doll doch nach Lesen der Buchvorlage erst einmal zu Recherchezwecken gemeinsam mit Gattin Karoline Herfurth und ihren beiden Kindern zwei Jahre lang irgendwo auf der Welt Urlaub gemacht, mal ganz zu sich selbst gefunden... und wäre dann einfach nie mehr wiedergekommen. Er hätte uns damit die 125 Minuten von Eine Million Minuten erspart.
Aus einem Selbsthilfebuch wurde ein Kultfilm für viele (tendenziell eher amerikanische) Teenager, auf dem ein Musical basiert, das jetzt wie ein Remake des Originals von 2004 neu verfilmt im Kino startet. Mean Girls: Der Girls Club unterhält in seinen besten Momenten kurzweilig, hätte aber noch viel mehr an die heutige Zeit gut zehn Jahre später angepasst werden müssen.
Die deutsche Verfilmung Girl You Know It’s True erzählt den wahren Skandal um das Pop-Duo Milli Vanilli als Tragödie mit reichlich Empathie für die beiden Menschen hinter den Kunstfiguren “Rob & Fab”. So einseitig betrachtet trägt die Geschichte jedoch keinen ganzen Film und ohne weitreichenderen Blick auf die Musikbranche drumherum fällt es uns außerdem schwer, die tatsächliche Schwere des Schwindels nachträglich (vielleicht auch neu) einzuordnen.
Eine mehrjährige Fahrt von Halle nach New York City, auf dem Landweg mit Ural-Motorrädern, hat um die 500 Stunden Rohmaterial für einen Reisefilm beschert, der den authentischen Gegenentwurf zu heutigen YouTube-VLOGs darstellt. 972 Breakdowns leidet jedoch unter überflüssigem Off-Kommentar und hätte im Schnitt genau so viel Mut zu riskanten Abkürzungen vertragen können, wie ihn seine fünf Abenteurer an den Tag gelegt haben.
Es ist angerichtet… zum politischen Mordkomplott aus Assassins, dem Charakterdrama The Racer während der Tour de France und dem Wellenrauschen des Coming-of-Age-Films Sunburned.
Es ist angerichtet… zu einem Filmmenü, das sich vom Zweiten Weltkrieg über Leonard Cohen bis zu Untoten im Weißen Haus und Folter bei den US-Geheimdiensten erstreckt. Am besten gefällt uns diese Woche dann aber doch Corinna Harfouch im deutschen Überraschungsfilm Lara.
Ein Roman mit Schwerpunkt Kommunikation übers Internet hätte sich ja ruhig etwas outdated anfühlen dürfen, aber dass er gleich noch so banal und öde verfilmt wird wie Gut Gegen Nordwind, um dann zu allem Überfluss den besseren Schlusspunkt des Buchs zu verpassen… birgt mehr Dramatik als die Adaption selbst.
Er revolutionierte die internationale Fashion-Fotografie mit seinen Schwarz-Weiß-Momentaufnahmen, gilt als einer der Väter der Supermodel-Ära. Und natürlich gab es schon mehrere andere Dokus über Peter Lindbergh. Doch keine ließ so ausführlich und mittendrin hinter die Kulissen seiner bekanntesten Projekte blicken wie Women’s Stories.
Es ist angerichtet… zum ersten regulären Filmmenü des Jahres 2019! Patrick und Daniel beginnen das Jahr dank Kalte Füße und Robin Hood leider wenig euphorisch, auch wenn zumindest Colette als Kinoneustart für historisch interessante Kurzweil mit starker Hauptbesetzung sorgt.
30 Jahre deutscher Geschichte, die Biografie des Künstlers Gerhard Richter und Kunst an sich - über all dies irrt Florian Henckel von Donnersmarck mit Werk ohne Autor gewaltig.
Beim gemütlichen Kaffeetreffen übers Kremieren zu plaudern, die Hühner zu füttern und im Stuhl nach seinen Katzen zu rufen sind bereits die Großereignisse im heutigen Leben eines älteren Herren, dem wir in Aus einem Jahr der Nichtereignisse über seinen Bauernhof folgen.
Ob Italienische Mafia oder Frankfurter Drogendealer, Religion und Gangstersein schließt sich bekanntlich nicht aus. Nur Gott kann mich richten muss hier aber nicht etwa vor dem Herrn, sondern vor Frau Thudium & Daniel Pook geradestehen.
Patrick aus Hürth & Daniel haben bekanntlich ein Herz für Indies - man will sich ja nicht jede Woche nur über den gleichen Hollywood-Einheitsbrei aufregen. Und mehr Indie zu sein, als der deutsche, auf gehackten DSLR-Kameras gedrehte "Fantasy Film Fest 2017"-Programmfilm Schneeflöckchen, ist wohl wirklich kaum möglich.
„Es war eine gute Entscheidung, diesen Kinofilm genauso zu machen. Allein für die Outtakes hat sich der ganze Aufwand schon gelohnt!“, sagt Bully selbst über sein neues Werk. Stimmt sogar fast! In unserer Pressevorführung hat tatsächlich nur während der Outtakes wirklich jemand laut gelacht.
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Dieser Podcast wurde vom Kaffeemann & Daniel Pook während der Berlinale 2025 aufgenommen.


