Der Super Mario Galaxy Film qualifiziert sich kaum als solcher
Der Super Mario Galaxy Film heißt zwar so, setzt aber nicht wirklich das Geschehen oder den gestalterischen Witz der beiden gleichnamigen Jump’n’Runs um. Stattdessen gibt’s einen inhaltlich beliebig zusammengestellten Mix von allerhand Nintendo-Figuren und Elementen aus diversen Mario-Games - mit dem “Humor” der Minions. Optisch stimmig, kaschiert Illuminations Galaxy immerhin mit Cameos und Gimmicks für Mario-Fans, dass hier einfach nur reizlos Social-Media-Reels für Kinderzielgruppen aneinandergereiht werden.
Daniel spricht in diesem Podcast nicht sehr ausführlich und eher allgemein gehalten über Handlung, Details und Verlauf des Films. Es gibt in dieser Rezension nur unwesentliche Spoiler.
Links & Videos zur Filmkritik
Daniels Filmkritik-Artikel über Super Mario Galaxy bei Golem
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Golem über den Kino-Erfolg des ersten Mario-Animationsfilms
Die bestbewerteten Spiele aller Zeiten laut Metacritic
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Filmkritik zu Mario Galaxy als Kurztext zusammengefasst:
Der Super Mario Galaxy Film wirkt wie die Fortsetzung eines Konzepts, das sich gar nicht wirklich für Kino interessiert: wieder ein Animationsprodukt, das die Optik der aktuellen 3D-Mario-Spiele hervorragend trifft, aber seine Laufzeit eher wie eine Abfolge gerenderter Werbespots und Fanservice-Clips organisiert als wie eine erzählte Geschichte.
Mit der Handlung und dem Weltendesign der beiden Super Mario Galaxy-Spiele hat der Film kaum etwas zu tun; „Galaxy“ bedeutet hier vor allem, dass Mario & Co. ihr heimisches Mushroom Kingdom verlassen und auf allerlei unterschiedlichen Planeten oder Raumstationen unterwegs sind, die allerdings aus völlig anderen, verschiedenen Mario- und Nintendo-Spielen stammen. Wer Mario Galaxy von Konsolen kennt, merkt sofort, wie frei Figuren und Beziehungen umgedeutet werden - etwa Rosalina als Entführungsopfer, während Peach sie diesmal retten soll - und dass der Film seinen eigenen Franchise-Kanon baut, ohne daraus einen sinnvollen roten Faden zu formen.
Die Handlung wirkt willkürlich gestrickt, frustrierend sinnlos im Verlauf: Peach zieht los, um Rosalina zu retten; Mario und Luigi sollen das Mushroom Kingdom hüten, scheitern aber; Bowser ist nach dem ersten Film geläutert und lieb - er reist mit den Mario-Brüdern, weil sein Sohn Bowser Jr. die galaktische Sternenmutter Rosalina entführt und nebenbei auch noch das Schloss kidnappen lässt. Das könnte Stoff für einen echten Konflikt sein – Vater wird gut, Sohn bleibt böse, wer zieht wen auf seine Seite? – doch die Idee wird mitten im Film fast unkommentiert fallengelassen. Danach folgen Szenen und Abstecher, die kaum Fortschritt bringen: Gruppen suchen einander, laufen durch Setpieces, stolpern in neue Situationen, ohne dass sich etwas entwickelt oder sichtbar auf ein Ziel hin verdichtet. Yoshi ist zwar dabei, bleibt aber im Kern bloß niedliches Accessoire; er tut gar nichts, was erzählerisch nötig wäre.
Was bleibt, ist Oberfläche. Allerdings eine, die für Fans durchaus ein wenig funktioniert. Der Super Mario Galaxy Film ist voll mit Cameos, Randfiguren und Nintendo-Einsprengseln (bis hin zu Pikmin und obskuren Retro-Charakteren), die kurz aufblitzen, um gerade so genug Trailer-Material für die Werbung zu liefern und verschwinden dann wieder. Für Menschen ohne Mario-Bezug ist das oft schlicht unverständlich: Man sieht ständig Dinge, die wie Insidergags wirken, ohne dass sie in der Szene einen Sinn haben. Für Nintendo-Spieler dagegen entsteht eine Grundfreude am Wiedererkennen, auch wenn die Szene selbst egal ist. In diese Logik passt auch, dass der Film sein Franchise längst übers Kino hinaus als Merchandise-Maschine versteht. Yoshi als zusätzliche Hauptfigur ist weniger dramatische Entscheidung als weiterer Hebel für Plüschtiere, Amiibos und limitierte Popcorn-Eimer.
Einzig der Soundtrack ist ohne Abstriche eine große Stärke, weil er Mario-Melodien der Games sehr schön integriert und nicht nur „irgendwie ähnlich“ klingt. Visuell ist vieles zwar hübsch, aber erstaunlich selten wirklich überwältigend, obwohl die Weltraum-Idee genau das hergeben würde; selbst große Galaxy-Motive wie Sternenschauer wirken eher „okay“ anstatt kinnladenklappend spektakulär.
Actionsequenzen greifen zu generischen Zeitlupen- und Kamerafahrten, die eher nach Standard-Blockbuster aussehen als nach Mario-Gameplay. Eine Ausnahme sticht heraus: eine längere Parcours-Sequenz, die gleichzeitig als modernes 3D-Setpiece und als 2D-Pixel-Sidescroller gezeigt wird. Mario und Peach müssen durch die Verteidigungsanlagen des gegnerischen Hauptquartiers hüpfen, klettern und rennen, während Bowser Jr. die Fallen und Widersacher der Helden wie der Spieler eines Videogames steuert. Genau solch clevere Übersetzungen zwischen Spiel-Logik und Film-Form bräuchte diese Adaption viel häufiger.
Unterm Strich ist das erneut kein guter Film und im Kern nicht einmal ein richtiger Galaxy-Film, sondern wieder nur ein sehr sauber gerendertes Nintendo-Wimmelbild mit Minion-artigem Klamauk für ein junges Publikum. Trotzdem kann das zusammenhangslos erzählte Durcheinander auch ohne Substanz als Fan-Produkt punktuell Spaß machen, wenn man denn Kenner der entsprechenden Nintendo-Games ist. Eher Content als Film und in Häppchen wird uns dieses Sequel gewiss noch einige Jahre als Reels- oder Stories bei Social Media begegnen.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook in unserem Studio in Berlin aufgenommen.


