All in Empfehlung

TÁR - Dirigiert uns ins Schwärmen

Cate Blanchett ist Lydia Tár. Und das so gut, wir hätten uns nicht gewundert, gäbe es die fiktive Dirigentin tatsächlich in Wirklichkeit. Von Blanchett persönlich geleitete Orchesteraufnahmen runden neben filmtechnischer Brillanz den Eindruck hab, es bei TÁR gleich auf mehreren Ebenen mit einer Glanzleistung zu tun zu haben.

Aftersun - Urlaub in melancholischen Erinnerungen

Aftersun ist ein Coming-of-Age-Film in melancholischer Rückbetrachtung, erzählt in traumartigen Vignetten aus Erinnerungen an einen lange vergangenen Urlaub und den eigenen Vater, für den Protagonistin Sophie zwanzig Jahre später ein neues Verständnis entwickelt hat. All das in Bild & Ton mit einvernehmender Energie und ganz eigenem Charakter zum Mitempfinden fürs Publikum zu vermengen - das ist gutes Kino.

This Place Rules - Die Unruhen vor dem Sturm

Seit Jahren schon berichtet Andrew Callaghan in seinen YouTube-Kanälen im Gonzo-Stil von Demonstrationen, Aufständen, Verschwörungs-Events, aber auch Rapfestivals, Freak-Conventions und überhaupt extremen Charakteren am Rande der US-Gesellschaft. Mit Kameras und seinem Mikro immer mittendrin, dokumentierte er so auch fast nebenbei die Entstehung der Unruhen, die zur Erstürmung des US-Kapitols am 06. Januar 2021 führten. Nun zu sehen in der HBO-Dokumentation This Place Rules.

The Banshees of Inisherin - Irland in einer Nussschale

Hervorragende irische Schauspieler*innen mimen glaubwürdig echte Iren, gedreht auf einer Insel in Nordirland. Und weil der Autor und Regisseur von The Banshees of Inisherin Martin McDonagh heißt, entfaltet sich dabei ein lebendiges Stück, dessen kleine Geschichte für mehr steht als nur eine amüsant wie berührend geschriebene Fehde in einem isolierten Dörfchen.

Everything Everywhere All At Once - Muttiversum mit Bagel & Wurstfingern

Erst Loki, dann Spider-Man, jüngst Doctor Strange. Ja, Marvel hat sich an der Multiversumsthematik im Kino und bei Disney+ zuletzt ganz schön festgebissen. Und wer macht es mit Everything Everywhere All At Once als beeindruckende Indie-Produktion mit viel weniger Geld beinahe unendlich viel besser? Natürlich A24 mit zwei Daniels als Regisseuren und ironischer Weise tatsächlich den fürs MCU so prägenden Russo-Brüdern als Produzenten.

Vortex - Lebensenden hybrid gesehen

Vortex ist intimer und naturalistischer gefilmt als wir es von den zumeist rauschhaften Werken des Regisseurs Gaspar Noé gewohnt sind. Zwar geht es schlussendlich erneut um den Sog in die Leere, nur dass der hier nun nicht mehr von treibenden Beats unterlegt und in fluoreszierende Farben getränkt wurde. Noés experimenteller Ansatz einer Hybridperspektive im Split-Screen ist derart effektiv, dass sie uns ebenso hybrid mit den zwei Protagonisten des Films mitempfinden lässt. Und gerade, als sich unser Bild über sie als Menschen komplettiert zu haben scheint, lösen sie sich vor unseren Augen in Luft auf.

Blue Bayou - Als Kind adoptiert, erwachsen abgeschoben

Das wunderschön auf 16mm gedrehte Drama Blue Bayou gehört für Patrick und Daniel zu der Kategorie Film, bei der wir in Hinblick auf bemerkenswert viele andere Filmkritiken und die allgemeine Missachtung bei den großen Awards des Jahres leider sagen müssen: Was ist eigentlich kaputt bei euch? - Diese starke Geschichte mit wichtiger realer Thematik, so fantastisch gefilmt und gespielt, braucht jede Aufmerksamkeit, die wir ihr durch unsere große Empfehlung hier im Podcast hoffentlich einbringen können.

The Batman - Der Dunkle Ritter als True Detective

Er ist düster, er ist Noir, er ist rundum gelungen und - ganz wie es der Titel verspricht - zeigt er wirklich THE Batman. Matt Reeves inszeniert Robert Pattinson als den Dunklen Ritter, der nun endlich auf der großen Leinwand mal wirklich als World’s Greatest Detective gezeigt wird. Mit The Batman gelingt es ihm, eine Mischung aus Tim Burtons und Christopher Nolans Versionen mit Elementen aus Sieben, Saw, Watchmen, Sin City und True Detective anzureichern, dabei aber auch Batmans Comic-Ursprünge nicht zu vernachlässigen.

Spencer - Dianas fabelhafter Albtraum

Spencer von Regisseur Pablo Larraín ist der Lady-Diana-Film, den niemand so hätte erwarten können. Und zugleich ist es der einzige Lady-Diana-Film, den wirklich jeder gesehen haben sollte. Ein surreal inszeniertes Meisterwerk, das alle filmischen Register zieht, um die Realität eines royalen Albtraums greifbar zu machen, ohne wahre Begebenheiten realitätsgetreu abzubilden. Es ist Film in seiner größtmöglichen Wahrhaftigkeit.

The French Dispatch - Wes Anderson seine Zeitung

The French Dispatch (of the Liberty, Kansas Evening Sun) ist von Konzept bis Umsetzung ein Film, wie ihn auf die Art wohl wirklich nur Wes Anderson so - und dann auch noch so gut - hinbekommen würde. Und am Ende glaubten wir ihm sogar, die titelgebende Zeitung habe es wirklich einmal gegeben. Oder wünschten es uns irgendwie.

Staff Pick - Donnie Darko

Donnie Darko ist nicht nur an und für sich ein bemerkenswerter Film. Sein beschwerlicher Weg vom Drehbuch eines Mitte 20-jährigen Nobodys übers Sundance Film Festival bis zum Kinoflop, der Jahre später als Heimvideo Kult wurde, wäre schon genug Stoff für einen Podcast. In dieser Retrospektive unserer Rubrik Staff Picks sprechen Patrick & Daniel über viele Hintergründe der Produktion, analysieren aber auch, was Donnie Darko bis heute sehr zeitlos zu einem ganz besonderen Film macht.

Dune - Endlos fokussiert

Das Spice muss fließen. Und die Sequel-Produktion von Denis Villeneuves Dune sollte eigentlich auch lieber heute als morgen grünes Licht bekommen - finden Patrick & Daniel als Fazit ihrer Nachbesprechung des Sci-Fi-Kino-Highlights, das gegen Ende ein wenig versandet.