OverExposition: The Mandalorian & Grogu - Planlos durchs Weltall
The Mandalorian war einst als Zugpferd von Disney+ angetreten, um den damals neuen Streaming-Dienst erfolgreich starten zu lassen, aber auch all die Star-Wars-Fans wieder zu versöhnen, die der Konzern selber mit seinen hauseigenen Filmen aus einer “weit, weit entfernten Galaxis” zuvor enttäuscht und massiv frustriert hatte. Der damalige Lichtblick sollte jedoch mit Staffel 2 seinen Zenit erreichen, schon in Staffel 3 erschütternd schnell verglimmen. Trotz putzigem “Baby Yoda”. Der Kinofilm The Mandalorian & Grogu bestätigt leider, dass auch Jon Favreau und Dave Filoni im immer ausgelutschter und belangloser wirkenden Star-Wars-Universum längst nichts cooles, spannendes, packendes und schon gar nichts erzählenswertes mehr einfällt. Parallel dazu wirkt ihr filmhandwerk auch immer statischer, wirken digitale Hintergründe wieder so plump platziert und reale Kulissen so leblos ausgeleuchtet wie wir es vorher nur aus der Prequel-Trilogie von George Lucas so von Star Wars kannten. - Eine traurige Bestandsaufnahme im OverExposition-Podcast.
Daniel spricht in diesem Podcast mehr allgemein über den heutigen Status von Star Wars unter Walt Disney und kaum hingegen über die sowieso nur sporadisch vorhandene Handlung oder Details des Films.
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Daniels Bestandsaufnahme über den Zustand von Star Wars im Jahr 2026 als Text:
In vielen Betrachtungen darüber, was der Walt-Disney-Konzern seit der Übernahme von Star Wars aus der Reihe und ihrem Universum gemacht hat, kommt eines, finde ich, immer viel zu kurz: Nachdem George Lucas viele ältere Fans der Trilogie rund um Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia mit den Episoden I, II und III verärgert und vergrault hatte, ist ihm mit seinen neuen Filmen auf lange Sicht dennoch ein großer Erfolg gelungen.
Er hat sie deshalb viel kindischer, auch alberner und atmosphärisch weniger düster gestaltet, weil er von Anfang an gar nicht in erster Linie die Ur-Fans damit abholen wollte, sondern deren Kinder und Enkel. Also die ganz jungen Generationen, die dann in rauen Mengen Spielzeug und Merch von Star Wars kaufen.
Und ich muss zugeben: Selbst bei mir hatte das als Kind funktioniert. Als Ende der 1990er-Jahre Star Wars erstmals zurück ins Kino kam, war ich sogar von Episode I begeistert und fand auch Jar Jar Binks und den kleinen Anakin großartig. Nie zuvor und nie wieder danach habe ich mehr Merch zu einem Film gekauft als zu Star Wars: Episode I.
Heute, mit dem Blick eines filminteressierten Erwachsenen, sehe ich natürlich, dass die Episoden I bis III objektiv betrachtet eigentlich keine guten Filme sind. Dass sie dramaturgisch wie handwerklich voller kaum zu übersehender Unzulänglichkeiten stecken und George Lucas’ Regiestil bei den Prequels tatsächlich viel von falscher Faulheit geprägt gewesen zu sein scheint. Obwohl sie seinerzeit technisch bahnbrechend waren, und obwohl einige Szenen oder Ideen nach wie vor ziemlich cool sind, sind die digitalen Effekte inzwischen sehr viel schlechter gealtert als die stark modellbasierten, viel praktischer gestalteten und atmosphärisch stimmiger designten Spezialeffekte der Originalfilme - egal ob Special Edition oder Ur-Kinoversionen. Das ist und bleibt natürlich wahr.
Das Ziel, das George Lucas mit den Prequel-Filmen im Kern verfolgt hat, war aber schlicht nie wirklich, Erwachsene mit einem filmhandwerklich kritischen Blick zu begeistern - also jene Zuschauerinnen und Zuschauer, die von der Ästhetik und Qualität der Episoden IV, V und VI geprägt waren. Die hatte Lucas zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst im Sack. Die würden jeden seiner Star-Wars-Filme schon allein deshalb mindestens einmal sehen wollen, um Darth Vaders Geschichte komplett zu kennen.
Nein, er wollte jene Kinder an die Franchise binden und zu neuen Dauerkunden machen, die vorher noch gar nicht oder nur sporadisch durch ihre Eltern mit Star Wars in Kontakt gekommen waren. Die Prequel-Trilogie sollte DAS Star Wars einer - was sage ich - mehrerer neuer Generationen von Fans werden. Generationen, die jetzt stärker mit dem jungen Anakin, den Clone Troopern und Ewan McGregor als Obi-Wan aufgewachsen sind, das eigentlich ursprüngliche Star Wars von früher dann natürlich nachträglich auch noch sehen würden, am Ende aber alles als gleichwertig toll empfinden sollten.
Anstatt, wie ich zum Beispiel, vom hohen Qualitätsstandard der Original-Saga ausgehend mit dem Sprung zu den Prequels ein Downgrade zu erleben, sollten moderne Star-Wars-Fans das flachere, massengefertigtere, albernere Digitalkino-Star-Wars als Normalität vermittelt bekommen. Sie sollten Emotionalität und gute Kindheitsgefühle mit der Zeit der Klonkriege und deren Charakteren verbinden. Ob sie die alten Filme dann irgendwann besser finden oder nur als etwas veraltet anmutenden Abschluss der Geschichte empfinden würden, machte für George Lucas keinen Unterschied - solange diese Kinder auf alles Neue “hooked” blieben. Die überwiegend als Kinderprogramm platzierten Animationsserien trugen ihr Übriges dazu bei.
Was ich damit klarmachen will: Zum Zeitpunkt, als George Lucas Star Wars für etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar an Walt Disney verkauft hat, war die Marke nicht nur ungebrochen beliebt. Die Fans des Universums und seiner Protagonistinnen und Protagonisten wurden sogar wieder immer mehr - und tendenziell eher jünger.
Die kurzzeitige Erschütterung in der Macht, als alteingesessene Generationen des Fandoms über die Prequel-Filme nicht glücklich waren, konnte nicht verhindern, dass die von Lucas eigentlich anvisierten nachfolgenden Generationen mit seinem NEUEN Star Wars als IHREM Star Wars groß wurden. Spätestens durch die Animationsserien wurde Star Wars so in den Kinderzimmern wieder zu einem dauerhaft beliebten Top-Thema - und war nicht mehr nur ein anhaltend starkes Echo nostalgiegetränkter Eltern. Kooperationen mit LEGO taten ihr übriges dazu bei.
Und ja: Zunehmend konnten sich selbst Verweigerer der Episoden I bis III plötzlich doch versöhnlich mit deren Existenz zeigen, selbst wenn ihre negative Meinung über diese drei Filme bestehen blieb. Allein die Tatsache, dass die Prequels viele Kinder erfolgreich neu an Star Wars herangeführt haben, die dadurch anschließend auch die alten Filme entdeckten, ließ den Hass auf das Prequel-Universum insgesamt etwas abflachen.
Auch bei meinem erwachsenen Ich, das sich nach der Atmosphäre und handwerklichen Qualität der Original-Trilogie sehnt, ist das so gewesen. Ich wurde den Prequels gegenüber nicht weniger kritisch. Aber ihre Existenz hat mich nicht geärgert. Als Kind, das sie früher selbst super fand, konnte ich mich in die jüngeren Generationen ja durchaus hineinversetzen.
Der Zustand von Star Wars vor Disney war also, noch einmal kurz gefasst, folgender: Wer mit der Original-Trilogie aufgewachsen war, bevor die Episoden I bis III herauskamen, war in der Regel zwar nicht besonders glücklich mit den Prequel-Filmen, konnte mit der Zeit aber anerkennen, was sie für Star Wars als Ganzes auch Positives gebracht haben - und dass sie bei ihrer Zielgruppe, also eher jüngeren Kindern, genau so funktioniert haben, wie George Lucas es vorgesehen hatte.
Wer zur Zeit der Prequel-Filme ein Kind war und eher mit diesem Teil der Star-Wars-Zeitleiste aufgewachsen ist, war grundsätzlich von Gesamt-Star-Wars begeistert und den ersten drei Episoden gegenüber gar nicht oder zumindest viel weniger kritisch eingestellt. Die Diskussionen über die Prequels als schlechte Filme oder gar als Schaden für Star Wars wurden leiser. Und die meisten Fans haben sich irgendwann einfach, egal aus welcher Generation sie kamen, gemeinsam daran erfreut, Star Wars cool zu finden.
Und dann kam Disney und erschuf Star Wars für… niemanden. Leeres Star Wars. Abklatsch-Star-Wars.
Der erste Kinofilm der dritten Star-Wars-Trilogie war eine Finte. Er versuchte mit allen Mitteln, Nostalgie für die Star-Wars-Filme der 1970er- und 80er-Jahre aufzubauen, unter anderem dadurch, dass die Hauptdarsteller der klassischen Trilogie im hohen Alter, sporadisch auftauchend, in ihre Rollen von damals zurückkehrten. Gleichzeitig sollte aber eine wieder neue Zeitleiste für Star Wars etabliert werden: mit ganz neu erfundenen Helden und Heldinnen, einem neuen Imperium und einer neuen Art von Rebellen-Allianz. Für die sich bis heute allerdings kaum jemand ansatzweise so leidenschaftlich begeistern kann wie für die Figuren und Konflikte der Episoden I bis VI.
Die Neue Republik, die nach der Zerstörung des alten Imperiums eigentlich an die Macht gekommen war, wurde nach dem 30-Jahre-Zeitsprung einfach auf der Stelle vernichtet. Das Ergebnis? Quasi die gleiche Imperium-gegen-Rebellen-Situation wie früher. Nur heißen die jetzt anders, und alles sieht aus wie eine charakterlosere Kopie der klassischen Star-Wars-Ästhetik, eben immer gerade so viel oder wenig verändert, um noch gerade so als neu verkauft werden zu können.
Wieder weg vom ultraglatt geschmirgelten Look der Prequel-Episoden, wieder deutlich haptischer, praktischer gedreht - aber trotzdem verändert und anders genug, damit Disney George Lucas und den Original-Artwork-Künstlern hinter den Ursprüngen von Star Wars nicht noch vertraglich zugesicherte Alimente zahlen oder sonstige Dankbarkeit dafür zeigen muss.
Heraus kam Mischmasch-Wars. Und das wurde mit zunehmender Zeit immer deutlicher, immer unattraktiver, immer beliebiger und seelenloser.
Unter dem Mit-Einfluss von Clone Wars-Showrunner Dave Filoni, den ich als vermeintlichen Star-Wars-Retter und George-Lucas-Intimus schon immer massiv überschätzt fand, schlichen sich zunehmend wieder Figuren, Entwürfe, Raumschiffe, aber auch die anspruchslose Tonalität und die kindische Grundattitüde der Prequel-Zeit in Disneys neues Star Wars ein. Vor allem im Bereich der Serien.
Der zunehmende Abriss von allem, was Ur-Fans sich nach Episode IV immer nur in der Fantasie hatten ausmalen oder im erweiterten Kanon von Romanen, Videospielen, Comics und Co. in Aussicht gestellt bekommen durften - Lukes Jedi-Akademie auf Yavin IV, Abenteuer mit den Kindern von Han und Leia als machtbegabte Zwillinge, der fortgesetzte Kampf gegen das noch nicht vollständig besiegte Imperium - all das vernichtete Disney, eigentlich wie Oberschurke Thanos bei Marvel, mit einem Fingerschnips.
In seinen eigenen Episoden VIII und IX zeigte Disney dann endgültig, dass Star Wars ohne die klare Marschroute und persönliche Vision einer einzelnen Person, die irgendwie auch Vater des Ganzen war, nur noch ein zielloses Fließband-Franchise ist. Eines, bei dem der eine Film und die eine Serie offensichtlich nicht wissen, was die anderen Projekte aus dem Kino und von Disney+ eigentlich machen.
Star Wars ist 2026 nur noch “brawlgurg”. Es gibt kein Wort dafür. Irgendwas. Müllquatsch. Aber vor allem nichts, dem ich als eigentlicher Fan, der Star Wars so lange so sehr geliebt hat, noch irgendeine erkennbare Identität zuschreiben könnte. Nichts, mit dem ich noch ein besonderes, signifikantes Gefühl verbinde.
Disney hat die Reihe und ihr Universum in die kulturelle Bedeutungslosigkeit geführt und dabei sowohl alte als auch neue Fans der Franchise gleichermaßen resignieren lassen.
Und deswegen der lange Einstieg in diesen Podcast, der ja eigentlich eine Rezension von The Mandalorian and Grogu sein soll.
Ja, die Andor-Serie war insgesamt, und vor allem wegen ihres starken Endes, mal ein unverhoffter Lichtblick. Ganz besonders The Mandalorian als Serie hat uns aber auch gezeigt, wie wenig solche zwischenzeitlichen Lichtblicke Hoffnung darauf machen, dass es mit Disneys Star Wars insgesamt doch noch aufwärtsgehen könnte. Dass der Konzern und die vielen Kreativen, die mit dem Universum betraut sind, auf einmal den Bogen raus hätten - und bereit wären, einen wahren Kern, ein Herz der ganzen Saga, vor Konzerninteressen zu stellen.
Star Wars unter Disney ist, nicht nur mir, längst egal geworden.
Und das ist quasi auch schon mein Fazit zum neuesten Kinofilm, The Mandalorian and Grogu: Er ist egal.
Ein durchschnittlicher, handlungsarmer Science-Fiction-Actionfilm, wohl zusammengesetzt aus losen Drehbuchresten einer nie realisierten vierten Serienstaffel, die für diesen Film weichen musste. Ein Film, der uns nichts spannend Neues über Star Wars erzählt. Und auch nichts über Grogu oder Din Djarin.
Ein paar Monstersequenzen sehen toll aus, speziell der Todeskampf mit einer riesigen Wasserschlange. Ein paar “Baby-Yoda”-Momente sind gewohnt niedlich, besonders wenn er mit ein paar anderen kleinen, praktisch als Puppen am Set umgesetzten Wesen kurzzeitig ohne seinen Ziehvater unterwegs ist. Drollige Sequenzen, kurz hat's also auch mal Spaß gemacht. Ich liebe außerdem nach wie vor das Mando-Theme, das immer wieder in signifikanten Momenten als musikalischer Signalton eingespielt wird. Auch die Einstiegssequenz als Actionszene, in der ein paar AT-ATs zu Bruch gehen, hat mir noch recht gut gefallen. Nicht alles an diesem Film ist schlecht, gerade jüngere Zuschauer werden bestimmt ganz ok davon unterhalten sein.
Obwohl ich selbst zu Beginn schon fand, dass es dem Mandalorianer viel zu einfach gemacht wird. Die Nahkämpfe sind schick choreografiert, sehen aber nie wie überzeugend geführte Kämpfe um Leben und Tod aus. Eher eben wie eine Choreografie, bei der allen Beteiligten einzig daran gelegen ist, Mando cool aussehen zu lassen.
Und ihn jetzt quasi mit bloßen Händen mehrere AT-AT-Ungetüme zu Fall bringen zu sehen - jene ursprünglich einmal so gefürchteten Stahlmonster des Imperiums aus Das Imperium schlägt zurück - grenzt eigentlich schon zu sehr an Cartoon-Quatsch, den ich in realistisch aussehendem Live-Action-Star-Wars gar nicht gerne sehen möchte. Spannend sind selbst diese besseren Szenen aus genau diesen Gründen nie.
Wir sehen in blutleer von Sigourney Weavers Rebellen-Chefin vorgetragenen Missions-Briefings lose miteinander verbundene Einzelaufträge des titelgebenden Kopfgeldjägers und seines putzigen Begleiters. Diese erinnern stärker an die albernen, mitunter blöden Abenteuer aus der schlimmen dritten Staffel The Mandalorian von Disney+, als jemals die Qualität, den Fun-Faktor oder das wahre Star-Wars-Feeling der Höhepunkte aus den Staffeln eins und zwei zu erreichen.
Dies festigt nur den Eindruck, dass Mandos Showrunner-Regisseur-Autoren-Duo Jon Favreau und Dave Filoni längst gar nicht mehr zu wissen scheint, was es mit Din Djarin und Grogu überhaupt noch erzählen will.
Das Resultat ist ein beliebiges, ideenloses, durchschnittliches Wirrwarr aus technisch aufpolierten Actionszenen, sich um Niedlichkeit bemühenden Grogu-Momenten und einschläfernd statisch gefilmten Dialogen mit Questgebern wie aus Videospielen. Sie sollen uns dieses kaum noch als vollwertige Geschichte identifizierbare Konstrukt irgendwie als kohärente Erzählung zusammenkleistern.
Zu allem Überfluss ist The Mandalorian and Grogu selbst visuell kein Knaller. Sehr häufig haben das Gesamtbild und seine Ausleuchtung die Ästhetik von Schauspielerinnen und Schauspielern, die vor Greenscreen-Fake-Hintergründen stehen - auch wenn ich davon ausgehe, dass beim Dreh wieder die in der Disney+-Serie etablierten LED-Studios zum Einsatz kamen.
Die real aussehenden Kulissen, dazu gehört eine Bar der guten Fraktion des Films, wirken durch viel zu flache, unatmosphärische Beleuchtung wie Drehorte aus Disneys Freizeitparks. Ästhetisch überzeugen wirklich nur die tollen Animatronic-Puppen der nichtmenschlichen Wesen des Films.
Und lasst mich von den schlecht geschriebenen Dialogen erst gar nicht anfangen. Es gibt eigentlich nur sich wiederholend aufgesagte Standardsätze und blanke Exposition, die gar nicht mehr versucht, sich als natürliches Gespräch faszinierender oder sympathisch präsentierter Charaktere zu verkleiden.
The Mandalorian and Grogu ist ein durch und durch generisches, künstlerisch anspruchsloses Produkt, das nur zu existieren scheint, weil der Disney-Konzern sich Sorgen gemacht hat, zu lange keinen neuen Star-Wars-Film mehr ins Kino gebracht zu haben.
Andererseits hatte man offenbar keinen Plan, wie man nach den desaströsen Reaktionen auf Der Aufstieg Skywalkers und dem zuvor, gemessen an den Ansprüchen von Star Wars, gefloppten Han-Solo-Film weitermachen sollte. Der Mandalorianer und sein Findelkind sind und waren Disneys stärkste, bereits etablierte Eigenkreationen in diesem Universum. Und die Geschichte von Andor ist auserzählt. War sie ja bereits vor der Serie, im Kinofilm Rogue One.
Bleibt alles so, wie es aktuell mehrere Wochen nach Kinostart aussieht, ist The Mandalorian and Grogu der unerfolgreichste Star-Wars-Film aller Zeiten. Und hätte das meiner Meinung nach verdient.
Selbst Solo hatte, trotz seiner vielen Schwächen, als Kinospektakel wenigstens mehr Abwechslung und eine gewisse Größe von Schauplätzen und Ausmaßen zu bieten. Ich finde den Ansatz zwar gut, einen Mandalorianer-Film intimer zu erzählen. Aber dann muss ich davon als Zuschauer doch auch etwas haben. Mehr Charakterentwicklung. Neue Einblicke in die Figuren oder in einen bestimmten Teil des Universums, über den ich bisher noch nicht so viel wusste. Ein kleineres Spielfeld, das dafür aber detaillierter und glaubhafter eingefangen wird.
Das macht Mando jedoch alles eben nicht.
Was er Neues zeigt, an Charakteren oder Orten, wird nur rudimentär angekratzt, wirkt monoton präsentiert, einfallslos erzählt. Es sind nicht einmal Ansätze vorhanden, etwas ambitioniert zu zeigen oder zu erzählen. Das Rudimentärste, was wir aus den Serien schon wissen - inklusive des Animations-Kanons - wird labberig wieder aufgewärmt.
Die erwartbaren Fan-Easter-Eggs, Stichwort Monster-Brettspiel aus dem Rasenden Falken, können nicht davon ablenken, dass diesem Film keine starke Vision zugrunde lag. Keine tolle Idee. Kein Drang, etwas unbedingt erzählen zu müssen. Nur der Konzernauftrag: Ein Film muss her. Und zwar schnell.
Wer Interviews mit Regisseur Jon Favreau mitverfolgt hat, wird mich in diesen Mutmaßungen vielfach bestätigt sehen. Denn beinahe gar nicht mal mehr durch die Blume, fast entschuldigend, gibt er genau das wiederholt überdeutlich zu verstehen.
Die ersten beiden Staffeln The Mandalorian waren für viele Star-Wars-Fans deswegen ein Hoffnungsschimmer, weil sie gezeigt haben, dass Disney plötzlich doch bereit schien, neues Star Wars nahe an den Ereignissen der Ur-Trilogie anzusiedeln - und es damit auch mit vielen klassischen Designs und Elementen der alten Filme zu versehen.
“Baby Yoda”, Grogu, war als unerwartete Kirsche auf der Torte ein weiterer Teil des Erfolgsrezepts: als schöne Idee, tatsächlich sogar als willkommene Überraschung in einer als Kopfgeldjägerserie angekündigten Story, die trotzdem erkennbar alte Star-Wars-DNA besaß.
Als Zugpferd für den damals neu gestarteten Streamingdienst Disney+ war die erste Live-Action-Star-Wars-Serie, zumal eine nahezu auf Kino-Niveau inszenierte, teure Produktion, dazu verdammt, möglichst universell zu gefallen. Und das schaffte sie, weil sie erfolgreich an den alten Star-Wars-Kanon anknüpfte und gleichzeitig einzelne Elemente der Prequel-Ära und der Animationsserien für die jüngeren Fans stimmig mit unterbrachte.
Ahsoka Tano trifft Luke Skywalker. Der Darksaber und die Dark Trooper bekommen Realauftritte. Klassische X-Wings sehen wir ebenso wie Vertreter des alten Imperiums, echte Sturmtruppen - und trotzdem auch Mandalorianer-Figuren aus den Clone Wars-Shows.
Kurz hatte das funktioniert. Doch nach dem Höhepunkt der zweiten Staffel bröckelte das Konstrukt. Die Balance der Serie kippte wieder voll in Richtung Prequel- und Animationsserien-Star-Wars-Gulasch. Disney zeigte erneut, dass sie Star Wars nur dann einigermaßen überzeugend hinbekommen, wenn sie sich sehr deutlich an den alten Vorlagen der Original-Ära bedienen. Und dass jeder Versuch, zu sehr etwas ganz Eigenes zu erzählen und völlig Neues zu etablieren, in teilweise unerträglich blödem Einheitsbrei verkommt.
Einheitsbrei, der sich - und das muss man hier wirklich besonders betonen - auch total ziellos, atmosphärearm und gefühlsbefreit darstellt.
Und das ist das wahre Drama von Grogu und dem Mandalorianer: Sie wurden erschaffen, um das von Disney selbst wieder gespaltene Fandom zu vereinen. Und das haben sie ganz kurz, durch Rückbesinnung auf die wahren Stärken von Star Wars, sogar geschafft. Um alles dann selbst doch wieder schlagartig zu jener belanglosen Pampe zu verkochen, aus der uns The Mandalorian gerade erst alle herausgefischt hatte.
Die Balance von Staffel 3 kippte anschließend, wenn überhaupt in Richtung etabliertem Star Wars gehend, nur noch enttäuschend dominant Richtung der Prequel-Filme und Animations-Shows. Was sich derartig in Überdosis mit der zu Beginn etablierten Stimmung der Mando-Life-Action-Serie beißt. Wir sind also erneut bei beliebig zusammengeworfenem Gulasch angelangt, das kaum noch genießbar ist.
Und ausgerechnet darauf baut The Mandalorian and Grogu im Kino auf. Eine wahnsinnige Enttäuschung empfinde ich deswegen jedoch schon nicht mehr.
Star Wars von heute ist dafür inzwischen längst zu banal, zu alltäglich - und ja, das ist traurig: ein zu leidenschaftsloses Thema geworden, um sich über den nächsten mittelmäßigen Film der Reihe länger zu ärgern als er auf der Leinwand läuft. Wobei es auch reicht, die paar Wochen zu warten, bis er als Teil des Abos bei Disney+ Zuhause verfügbar ist.
Autor: Daniel Pook
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Dieser Podcast wurde von Daniel Pook in unserem Studio in Berlin aufgenommen.


