Kein Bürogerät war jemals so sexy und seriös zugleich wie der digitale Organizer.
Digitale Organizer waren handliche Statussymbole aus einer Zeit, in der Geschäftsmann noch als vollständige Berufsbezeichnung durchging. In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren ermöglichten Geräte von Herstellern wie Casio, Telefonnummern und Termine auf einem rudimentären LCD-Bildschirm zu verwalten.
Besonders eindrucksvoll war die Möglichkeit, mit einer Miniaturtastatur einzelne Buchstaben elektronisch zu speichern. Ein Geschäftsmann konnte damit nachweisen, dass er über Geschäftskontakte verfügte, ohne seine Tätigkeit näher erklären zu müssen.
Daniel Pook erinnerte sich in Der Letzte Podcast an eine besonders wirtschaftliche Variante, die häufig als Prämie zu Zeitschriftenabonnements angeboten wurde. Äußerlich einem elektronischen Wundergerät ähnlich, öffnete sich das Kunststoffetui nach Betätigung eines mechanischen Knopfes ganz langsam und enthüllte einen Taschenrechner, möglicherweise eine Taschenlampe und ein Fach mit vorgestanzten Pappkarten. Auf diese schrieb man Adressen und Telefonnummern von Hand. Die Datensicherung galt als abgeschlossen, sobald das Etui wieder zugeklappt war.
Der Kaffeemann erinnerte sich dagegen an die tatsächlich elektronischen Exemplare. Der papierbasierte Digital Organizer war seiner Zeit dennoch voraus: Anders als bei Fitness-Trackern musste man die Daten zwar ebenfalls selbst eingeben, dafür überstanden die gespeicherten Telefonnummern auch einen vollständigen Stromausfall.
Quelle: Der Letzte Podcast #533 (00:21:12–00:24:21) / Autor: Daniel Pook

