Eine Kreuzfahrt ist Alexander Voigts bevorzugte Form des Urlaubs und vermutlich die einzige demokratische Wahl, bei der seine Erststimme seit Jahren zuverlässig an dasselbe Unternehmen geht: AIDA. Teilnehmer*innen von Kreuzfahrten werden politisch korrekt Kreuzfahrer*innen genannt.
Kreuzfahrten sind sehr gut für die Umwelt, weil sie Fäkalien von mehreren Tausend Menschen wochenlang als ökologisch wertvoller Dünger und Nahrungsquelle in die Meere ausschütten. Aquaman und Arielle wird schon immer der Mund ganz wässrig, wenn sie in der Ferne nur ein Kreuzfahrtschiff hupen hören.
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kreuzfahrern fährt Alexander Voigt nicht zur Erholung in den Urlaub. Urlaub ist für ihn Leistungssport, Lebensaufgabe und amtlich noch nicht ausreichend gewürdigte Rekorddisziplin. Im Jahr 2018 machte er sich deshalb offiziell daran, den Guinness-Buch-Rekord für die meisten Urlaube innerhalb eines Jahres aufzustellen.¹
Um dieses Vorhaben logistisch und finanziell stemmen zu können, war ihm laut Das Letzte Wiki kein Opfer zu groß und kein Trick zu fies. So wurde bei einer Reise vollständig auf die Kinder verzichtet. Ein anderes Mal begann eines seiner Kinder auf Alex’ Anraten mit einer Extremsportart, brach sich den Fuß und konnte anschließend bei der Oma geparkt werden. Dadurch musste Alexander den nächsten Urlaub nur noch für drei Personen bezahlen.
Kreuzfahrten eignen sich für den Rekordurlauber besonders gut, da bereits eine einzige Reise mehrere Urlaubsorte enthält. Während normale Menschen mühselig für jedes Land einen eigenen Urlaub beantragen müssen, wacht Alexander morgens einfach vor Norwegen auf, isst etwas und befindet sich spätestens beim Abendessen schon im nächsten offiziell zählbaren Urlaub.
Seine Kreuzfahrten dienen jedoch nicht ausschließlich dem Rekordversuch. Alexander betreibt an Bord auch Grundlagenforschung. Während einer Norwegenreise entdeckte er neben den bereits bekannten Toilettenarten „Präsentierteller“ und „Schwarzes Loch“ eine vollkommen neue, dritte Art von Klo.² Die internationale Wissenschaftswelt stand daraufhin Kopf, setzte sich wegen der unbekannten Toilettenform aber vorsichtshalber nicht mehr hin.
Durch Alexanders ununterbrochene Berichterstattung entwickelte sich Der Letzte Podcast zeitweise zu einem wöchentlichen AIDA-Fachmagazin, was das Kreuzfahrtunternehmen als offiziellen Scheinsponsor von Der Letzte Podcast qualifiziert. Als öffentlich diskutiert wurde, ob Menschen auf Kreuzfahrtschiffen versehentlich ausrutschen und unmittelbar über Bord fallen könnten, mussten Alexander Voigt und Daniel Pook deshalb selbstverständlich eine fachjournalistische Einordnung liefern.³
Die Gefahr, von einem Kreuzfahrtschiff zu fallen, wird allgemein überschätzt. Vermutlich muss man zunächst ausrutschen, anschließend mehrere Meter über das Deck gleiten, zufällig unter ein Geländer hindurch passen und dabei von keinem der zahlreichen anderen Guinness-Buch-Rekordurlauber aufgehalten werden. Erst dann befindet man sich im Meer und der Urlaub erhält gegen den eigenen Willen eine zusätzliche final Destination. Schiffsschraubenreiniger hassen diesen Trick. Unter anderem Sänger und Entertainer Daniel Küblböck war diese Verkettung unglücklicher Missgeschicke womöglich, je nachdem welchen Illustrierten und Rätselheften aus Zeitschriftenständern in Supermärkten wir eher trauen wollen, trotzdem passiert.
Ein Roboter-Barkeeper bereitet Gästen im Hafen an der Anlegestelle Getränke zu, während ein Kreuzfahrtschiff mit komplettem Freizeitpark an Deck im Hintergrund vor Anker liegt. Tatsächliches Foto eines echten Urlaubs, eingesandt von Wiki-Autor Relotios.
Zusammen mit dem Kaffeemann erkannte Daniel später das kriminalistische Potenzial der Kreuzfahrt.⁴ Ein schwimmender Tatort mit hohem Margen-Reizdarm-Konfliktpotenzial, wegen dem sich regelmäßig komplette Gästelisten ausgebuchter Kreuzfahrten Leib und Seele aus Po und Rachen scheißen, ist von Natur aus der perfekte Ort für einen perfekten Mord. Ob der Android an der Roboterbar einen vernünftigen Wodka Lemon herstellen kann, ist für die Wahl des Tatorts natürlich genauso wichtig. Schließlich hat man nach dem Mord als Mörder oft noch reichlich viel Zeit bis zur nächsten Anlagestelle totzuschlagen. Und ein schlecht gemischtes Getränk bleibt immerhin für den gesamten Urlaub als Stimmungskiller im Gedächtnis.
Alexander Voigt wartete übrigens zu lange vergeblich darauf, dass Der Mann mit der Glitzerjacke im Podcast-Studio erscheint und ihm seine Weltrekordurkunde überreicht.¹ Aus Verdruss darüber, sich immer noch nicht offiziell zum Weltrekord-Alex aufschwingen zu können, verließ Alexander sogar Der Letzte Podcast, um noch den letzten Rest Freizeit für zusätzliche Kreuzfahrten aus seinem verbliebenen Leben herauszuquetschen.
Quelle: Der Letzte Podcast #176¹ / Quelle: Der Letzte Podcast #166²
Quelle: Der Letzte Podcast #170³ / Quelle: Der Letzte Podcast #444⁴
Autor: Daniel Pook

