Der Problemcast ist ein journalistisches Unterhaltungsformat, das sich auf die Erschaffung, Vermehrung und öffentliche Zurschaustellung von Problemen spezialisiert hat. Im Gegensatz zu herkömmlichen Informationssendungen verfolgt es ausdrücklich nicht das Ziel, gesellschaftliche Missstände zu beseitigen, da dies langfristig die Existenzgrundlage des Formats gefährden würde.
Entwickelt wurde das Konzept 2016 von Daniel Pook, nachdem eine Diskussion über gesundheitliche Nachteile ungünstiger Schul- und Arbeitszeiten zu der unangenehmen Frage geführt hatte, wie man diese Probleme eigentlich lösen könnte. Pook stellte daraufhin klar, dass Der Letzte Podcast keineswegs ein Lösungsfindungs-Cast sei. Stattdessen schaffe und erfinde man Probleme, zeige sie auf und lache über die Menschen, die darunter litten.
Diese bemerkenswert ehrliche Beschreibung des eigenen journalistischen Selbstverständnisses bildete die Grundlage für den Problemcast.
Besonders erfolgreich ist ein Problemcast, wenn er Menschen auf Probleme aufmerksam macht, von deren Existenz sie vorher nichts wussten und die sie ohne die betreffende Sendung vermutlich niemals gehabt hätten.
Dass dieses Verfahren seine Tücken hat, demonstrierte Pook noch während der ursprünglichen Begriffsprägung jedoch gleich selbst. Unmittelbar nach seiner Erklärung, man sei ein Problemcast, begann er, sich über eine Schale Nüsse zu beschweren, die bei seinem Gesprächspartner Alexander Voigt angeblich schon seit Ewigkeiten herumstand. Voigt erklärte daraufhin, die Nüsse erst am selben Tag bereitgestellt zu haben. Das Problem war somit bereits gelöst, bevor überhaupt feststand, ob es eines gegeben hatte.
Dieser bedauerliche Zwischenfall verdeutlichte eine grundlegende Schwäche der frühen Problemcast-Produktion: Werden Probleme allzu leicht widerlegt, muss ständig für Nachschub gesorgt werden. Inzwischen gilt deshalb die Empfehlung, mögliche Lösungen gar nicht erst ausführlich zu besprechen. Wer einen Lösungsvorschlag unterbreitet, sollte stattdessen auf dessen potenzielle Nachteile hingewiesen werden, um daraus wenigstens zwei neue Probleme entwickeln zu können.
Für das Publikum besitzt der Problemcast einen unschätzbaren Mehrwert. Schließlich gibt es kaum etwas Beruhigenderes, als festzustellen, dass auch andere Menschen erhebliche Probleme haben. Insbesondere, wenn man selbst gerade keine hat.
Quelle: Der Letzte Podcast #42 (ab 00:50:28) / Autor: Daniel Pook

