Das Phantasialand ist eine in Brühl gelegene Restaurantmeile mit angeschlossenem Freizeitpark. Die Fahrgeschäfte dienen hauptsächlich dazu, das zuvor aufgenommene Essen im Körper der Gäste platzsparend zu verdichten und dadurch möglichst schnell wieder Kapazitäten für Pancake-Tower, Milkshakes und das nächste mehrgängige Menü zu schaffen.
Damit unterscheidet sich das Phantasialand grundlegend von gewöhnlichen Freizeitparks: Während diese ihre Besucher mit Achterbahnen, Shows und Themenwelten vom Essen ablenken, lenkt das Phantasialand mit Essen von seinen Achterbahnen, Shows und Themenwelten ab.
Obwohl der Park flächenmäßig kaum größer als die Erlebniswohnung von Anni Porsche ist, befinden sich darin gleichzeitig Berlin, Mexiko, Afrika, China, Atlantis, das Weltall und mehrere vollständig unabhängige Gebirge. Früher auch Hollywood, das wurde jedoch geschlossen (mehr dazu weiter unten). Die Stadt Brühl verweigert dem Phantasialand seit Jahrzehnten jede nennenswerte Erweiterung, vermutlich aus Angst, bei einer weiteren Ausbreitung irgendwann selber nur noch ein schlecht ausgeschilderter Themenbereich des Parks zu sein.
Aus Platzmangel werden neue Attraktionen grundsätzlich auf den sterblichen Überresten älterer Attraktionen errichtet⁶. Das Phantasialand ist deshalb zugleich Freizeitpark, Massengrab und konsequent durchgeführtes Reboot seiner selbst.
Auch die Hollywood Tour musste diesem natürlichen Kreislauf weichen. Dort hatte King Kong jahrzehntelang gewohnt und ganztags gearbeitet, bis er in den Ruhestand ging und auf seine Privatinsel aus Kong: Skull Island umzog. Das Phantasialand behauptet, die Attraktion sei wegen baulicher Mängel geschlossen worden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich nach Kongs Auszug einfach kein anderer Hollywoodstar fand, der bereit war, für Freizeitpark-Mindestlohn jeden Tag in einem stinkenden Wasserbassin vor sich hin zu modern, während einem Haare und Haut nach Jahrzehnten bereits in Fetzen vom Körper hängen.
Die Hollywood Tour ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem “Hollywood”. Einer Bar/Kneipe, in der Legenden zufolge allabendlich in Brühl Künstler/innen, Mitarbeiter/innen und Fans des Phantasialands nach Feierabend aufeinandertreffen². Besonders beliebte Gäste sind der He-He-Ho-Riese aus der Geister Rikscha sowie der inzwischen arbeitslose Alex von Galax aus dem abgerissenen IMAX-Flugsimulator Galaxy. Letzterer hatte nämlich immer ein Paket Kotztüten dabei, weil diese so regelmäßig in seiner Attraktion Verwendung fanden.
Derlei Insider-Informationen stammen in Der Letzte Podcast meistens von Familie Wutz.² Loorie Wutz arbeitete im Phantasialand einst als Prinzessin des Festivals der Lichter und als Frittenfachverkäuferin⁵, während ihr Bruder John S. Wutz durch seine unzähligen Auftritte in der damals noch existierenden Casa Magnetica internationale Berühmtheit erlangte. Da in diesem Haus sämtliche physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt waren, gilt Johns Beschäftigung heute offiziell als wissenschaftliche Tätigkeit. Vermutlich war er auch der einzige Phantasialand-Mitarbeiter, der schräg arbeiten konnte, ohne dafür von der Personalabteilung abgemahnt zu werden.
Der berühmteste Bewohner des Parks bleibt dennoch der He-He-Ho-Riese aus der Geister Rikscha³. Über Jahrzehnte berichtete Daniel Pook, der Riese habe ihn während seiner Kindheit mit dem markerschütternden Ausruf „He, He, Hoooo!“ traumatisiert. Erst viele Jahre später stellte sich durch eine aufwendige Sonderermittlung von Der Letzte Podcast heraus, dass der Riese diesen Satz niemals gesagt hatte⁴. Der Ausruf stammte von einem sklaventreibenden Kutscher mehrere Szenen zuvor, während der vermeintliche He-He-Ho-Riese lediglich unverständlich vor sich hin murmelte.
Damit war der He-He-Ho-Riese weder ein He-He-Ho-Riese noch überhaupt für Daniels jahrzehntelanges Trauma verantwortlich. Da der Name zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits wissenschaftlich etabliert war, wurde auf eine Umbenennung in „Murmelriese“ verzichtet. Daniels Erinnerung gilt seitdem als erster ausschließlich im Phantasialand auftretender Mandela-Effekt.
2026 wurde der Park erstmals vom Letzten Paketboten Thomas besucht.¹ Er übernachtete im Hotel Charles Lindbergh, dessen Zimmer nach dem Vorbild besonders enger U-Boot-Kabinen direkt in eine Achterbahn gebaut wurden. Dadurch können Gäste gleichzeitig im Schlaf versinken und durch vorbeirasende Züge daran erinnert werden, wie viel Geld sie für diese Erfahrung bezahlt haben.
Thomas nutzte den ersten Tag, um nahezu alle großen Attraktionen zu fahren und sich zwischen diesen systematisch durch das gastronomische Angebot zu fressen. Am zweiten Tag fielen fast sämtliche großen Achterbahnen gleichzeitig aus. Ob technischer Defekt oder eine Schutzmaßnahme des Parks vor einem vollständig mit Pancakes gefüllten Passagier, konnte nie abschließend geklärt werden.
Alle Fotos © Thomas Bischler (2026)
Die Ereignisse bestätigten jedoch endgültig: Taron, F.L.Y., Black Mamba und die übrigen sogenannten Hauptattraktionen sind lediglich aufwendig thematisierte Wege zwischen den Restaurants. Das eigentliche Phantasialand beginnt erst dort, wo die Sicherheitsbügel geöffnet werden und jemand fragt, ob noch Platz für Nachtisch ist.
Unbestätigten Legenden zufolge existiert außerdem ein sogenannter Phantasialand-Opi, der jeden Menschen im Park persönlich kennt. Das ist angesichts der jahrzehntelangen Wartezeiten durchaus glaubwürdig: Wer lange genug vor Taron steht, hat bis zur Abfahrt normalerweise sämtliche anderen Gäste kennengelernt, mit einigen Familien gegründet und mindestens eine gemeinsame Vergangenheit im Festival der Lichter entwickelt. Wann immer wir nach dem Opi gefragt haben, heißt es von Menschen im und ums Phantasialand jedoch immer nur: “Keiner hier kennt den.”⁷
Als eines Tages im Jahr 2001 die große und die kleine Gebirgsbahn simultan beschlossen Feuer zu fangen und sich daraufhin ein simultaner Klein- und Großbrand im Phantasialand ereignete⁵, saßen Daniel Pook, Daniels Bruder und Daniels Vater gerade mit Teilen von Daniels damaliger Fußballmannschaft zu einem Picknick, bestehend aus von Zuhause mitgebrachtem Essen, im dunklen, langsamen Indoor-Fahrgeschäft Silbermine. Sich völlig ungewahr, dass über ihnen längst ein Katastrophenfilmszenario ausgebrochen war.
Der Silberminenausgang lag unmittelbar dort, wo eine hochgewachsenen Feuersäule der brennenden Achterbahnen emporstieg, deren Außenfassade offensichtlich nur aus Papier und Grillkohle bestand. Daniel machte sich aber keine Sorgen, als Flammen von draußen ins Innere der Silbermine schlugen. Er meinte, kürzlich etwas von einer neuen Feuerparade gelesen zu haben, die jetzt wahrscheinlich bloß draußen vorbeizöge.
Erst als seine Begleiter und er die in Panik durcheinander laufenden Parkmitarbeiter bemerkten und die Umgebungshitze auch langsam auf Vulkanniveau angestiegen war, begriffen sie den Ernst der Lage und erwägten im ersten Moment, als nächstes eine Fahrt mit dem damaligen Condor-Tower zu unternehmen, um die Lage von oben besser einschätzen zu können. Wenig später entschlossen sie sich doch dazu, lieber das Phantasialand schnell zu verlassen, ehe alle anderen auch auf die Idee kämen und auf dem Besucherparkplatz eine Art sich selbst verstopfender Dauerstau entstehen würde.
Während Familie Pook weit bis nach Hürth herabfallender Glut und Aschetrümmer ausweichen musste, rettete der ihnen damals noch unbekannte John S. Wutz als heldenhafter Ersthelfer Menschenleben im noch lange lichterloh brennenden Phantasialand, das anschließend natürlich praktischerweise wieder dringend benötigten Platz und vermutlich auch etwas Versicherungsgeld für neue Attraktionen parat hatte…
Das Phantasialand ist unterm Strich kein gewöhnlicher Freizeitpark. Es ist ein Restaurant, unterirdisches Massengrab für verschwundene Fahrgeschäfte, wegbereitender Arbeitsplatz der Familie Wutz, ehemalige Wohnstätte King Kongs und der einzige Ort der Welt, an dem Berlin direkt neben China liegt, während ein bekannter Podcaster tief in seinem Herzen noch immer fest davon überzeugt ist, ein Riese habe ihn als Kind persönlich mit „He-He-Ho“ begrüßt.
Quelle: Der Letzte Podcast #561¹ / Quelle: Der Letzte Podcast #536²
Quelle: Der Letzte Podcast #534³ / Quelle: Der Letzte Podcast #391⁴
Quelle: Der Letzte Podcast #392⁴ / Quelle: Der Letzte Podcast #258⁵
Quelle: Der Letzte Podcast #409⁶ / Quelle: Der Letzte Podcast #162⁷
Autor: Daniel Pook

