Bild einer Fehleinschätzung.
Mundvoll Kacke ist eine gastronomische Zustandsbeschreibung, die von Daniel Pook und einem ehemaligen Arbeitskollegen in Berlin-Kreuzberg entwickelt wurde. Sie diente über einen längeren Zeitraum der täglichen Entscheidungsfindung bei der Nahrungsaufnahme, ohne dass den Beteiligten die eigentliche Tragweite ihrer Wortwahl bewusst gewesen wäre.¹
Ursprung war das Berliner Restaurant Mundvoll, dessen täglich wechselnde Speisekarte für die beiden ein gewisses kulinarisches Glücksspiel darstellte. Während einzelne Gerichte nach ihrem subjektiven Empfinden nahezu Gourmet-Niveau erreichten, empfahlen sich andere eher für Angst vor den körperlichen Folgen im Nachgang.
Um unnötige Enttäuschungen zu vermeiden, entwickelte sich deshalb ein festes Ritual: Man ging in der Mittagspause zunächst beim Mundvoll vorbei, um festzustellen, ob “Mundvoll Kacke” war. War “Mundvoll Kacke”, wurde woanders gegessen. War “Mundvoll nicht Kacke”, konnte man dort bedenkenlos einkehren.
Diese ebenso einfache wie einprägsame Klassifizierung funktionierte offenbar hervorragend. Ein ganzes Jahr lang.
Erst danach fiel den beiden auf, dass sie sich seit Monaten regelmäßig darüber unterhielten, ob sie heute einen “Mund voll Kacke” essen wollten oder nicht. Die sprachliche Besonderheit dieser Fragestellung war Daniel Pook und seinem Kollegen bei zahllosen Mittagspausen vollständig entgangen.
Quelle: Der Letzte Podcast #41¹ (ab 02:14:13) / Autor: Daniel Pook

